Ariens hollander psychologe
Neben der präexistenten Musik sind in die- sem Beispiel auch die Bild-Ton-Koordination intermedialer Konflikt und das Sound Design intramedialer Konflikt formkonstituierend. Kessler Für die Filmmusik wurde er erstmals von Claudia Gorbman verwendet. Dort werden Klänge als »diegetic« bezeichnet, die zur erzählten Welt gehören und somit von den Figuren im Film wahrgenommen werden.
Für eine umfassende Kritik an diesem Begriffspaar und den theo- riegeschichtlich gewachsenen Problemen dieser in der Film musik forschung beliebten Oppo- sition vgl. Rabenalt 53—68, 81 , Buhler — und Heldt 48— In Bezug auf präexistente Musik vgl. Godsall 92— Da die Eingangssequenz im weiteren Verlauf als Folie für die musikalischen Bearbeitungen fungiert, stechen die Ein- griffe in die Musik besonders hervor.
Bis zu diesem Kapitel ist der intramediale Konflikt ein intertextueller innerfilmische vs. Die Adaption in Melancholia zeigt dagegen, dass filmmusikalische Bedeutung auch intramedial und intratextuell generiert werden kann. War in den vorangegangenen Kapiteln meist der intramediale Konflikt der Texte der analytische Ausgangspunkt, so richte ich im Folgenden mein Augen- merk mehr auf den intermedialen Konflikt der Kontexte.
Lars von Trier gilt als einer der kontroversesten Filmemacher unserer Zeit. Die Filme provozieren und zwingen ihr Publikum zur aktiven Positionierung. Statt Antworten auf die vielen Fragen zu finden, die die Filme aufwerfen, ist es das Ziel dieses Kapitels, herauszufinden, wie diese Fragen überhaupt erst entstehen und welchen Beitrag die filmmusikalische Gestaltung in dieser Akti- vierung leistet.
Triers Riesenprojekt, Wagners Ring des Nibelungen für die Bayreuther Fest- spiele zu inszenieren, scheiterte letztlich. Die dazugehörigen Materialien und Korrespondenzen, die mir in seiner Kollektion zur Verfügung standen, geben jedoch einen einzigartigen Einblick in Triers dramaturgische Überlegungen.
In diesem Zusammenhang wird seine Schlüsselidee der »bereicherten Dunkelheit« erläutert. Sie zielt auf die Wirklichkeitsillusion durch die kognitive Aktivierung des Publikums. Dieser Ansatz führt zu dem filmtheoretischen Konzept der »Active Spectatorship«, nach dem das Filmerlebnis aktiv vom Publikum hervor- gebracht wird.
So erweist sich die Tonspur als integraler Bestandteil dieses manipulativen Spiels. Die Filme stellen zweifellos hohe moralisch-ethische Herausforderungen an das Publikum — und an mich als Musikforscher. Meine Strategien im Umgang damit sind Problematisierung und Selbst- positionierung. Es ist mir wichtig, im Verlaufe des Buchs auf problematische Aspekte hinzuweisen und meinen Blick auf den Gegenstand sichtbar zu machen.
Die letzte Detailanalyse beschäftigt sich mit einem der kühnsten und umstrittensten Filmprojekte, an dem ein Popstar beteiligt war: dem Filmmusical Dancer in the Dark , das Lars von Trier als eine Übung zur Manipulation des Publikums sah. Dies wird hier jedoch durch die Integration eines präexistenten Popstars erreicht. Das Besondere an diesem Film ist die Mitwirkung von Björk. Die isländische Sänge- rin komponierte die Musik, verkörperte die filmische Hauptrolle der Selma und führte in dieser Rolle wiederum ihre Musik im Film auf.
Unter Rückgriff auf Philip Auslanders Performance- Theorie der »Musical Persona« argumentiere ich in diesem Kapitel, dass die Besetzung der Hauptrolle mit einem Popstar das manipulative Potenzial des Films ausmacht. Auf diese Weise lässt der Film sein Publikum zwischen zwei Polen oszillieren: der Identifikation mit der fiktiven Selma und der individuellen Erfahrung mit der realen Björk.
Um zu zeigen, wie der Film Empathie und Eskapismus auf kom- plexe Weise miteinander verschränkt, erweitere ich Auslanders Theorie durch einen transmedialen Ansatz. Der analytische Einbezug von Björks Popstar-Image und ihrem Musikschaffen bieten neue Perspektiven auf ihre Darbietung in Dancer in the Dark und die extrem polarisierten Reaktionen auf den Film. Darüber hin- aus erarbeitet das Kapitel ein analytisches Modell für die öffentliche Wahrneh- mung von Performern in audiovisuellen Medien.
Anhand der Adaption von präexistenter Musik im Film zeigt sich besonders anschaulich, wie sich die kulturelle Bedeutung von Musik über die Zeit hinweg verändern kann. Diese Beispiele zeigen, wie stark der Gebrauch das Gebrauchte formen kann. Jahrhundert ein. Im Sinne eines Ausblicks befasse ich mich auf diesen letzten Seiten mit der Bedeutung des Phänomens prä- 20 Zur Verwendung von Musik in als neue Ästhetik im Film vgl.
McQuiston — Zur popkulturellen Rezeption des zweiten Satzes aus Samuel Barbers String Quartet op. Howard Danksagung Im Gegensatz zum Film steht die Danksagung im Buch meist am Anfang. In die- sem Sinne möchte ich mich an dieser Stelle bei einigen Personen bedanken. Diese Studie entstand als Dissertation an der Universität Potsdam unter der kontinuier- lichen Betreuung von Christian Thorau, dem ich für seine durchgehende Unter- stützung, produktiven Impulse und ermutigenden Gespräche danke.
Ohne ihn, das kann ich ohne Zweifel sagen, gäbe es dieses Buch nicht. Danken möchte ich auch meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus Potsdam: Gabriele Groll, Matthias Haenisch, Steffen Just, Stephanie Probst und Theresa Schlegel. Der anregende Austausch mit Euch war für mich zu jeder Zeit eine Quelle der Moti- vation und Beruhigung.
Der Einfluss meines Forschungsaufenthalts an der Universität Kopenhagen und am Dänischen Filminstitut auf diese Studie kann kaum überschätzt werden. Zugleich wurde er von einer Pandemie überschattet, die die Welt auf den Kopf stellte. Neben den Diskussionen in den Seminaren, die ich an der Universität Potsdam halten durfte, war es vor allem der Austausch auf Konferenzen, der mich geprägt hat.
Die Gespräche mit all diesen faszinie- renden Menschen hallen durch das gesamte Buch wider. Vor allem aber, lieber Ansgar und Steffen, habe ich Euch beide bei jedem Treffen, auf jeder Feier und auf jeder Zugfahrt mit meinen Gedanken zu diesem Buchprojekt zugetextet. Von nun an werde ich mir ein anderes Gesprächsthema überlegen, versprochen. Die Drucklegung wurde gefördert aus Mitteln des Publikationsfonds für Open-Access-Monographien des Landes Brandenburg, der Potsdam Graduate School und der Gesellschaft für Musikforschung Promotionspreis Dank dieser Unterstützung ist die PDF-Version des Buchs frei und kostenlos zugäng- lich.
Letztlich danke ich meinen Eltern, Britta und Jürgen Rudolph, deren Optimis- mus und Glaube an meine Fähigkeiten mir die Kraft gaben, dieses Projekt über so viele Jahre zu verfolgen und zum Abschluss zu bringen. Die interessanten und erkenntnisreichen Abschnitte auf den folgenden Seiten sind das Ergebnis von Begegnungen und Gesprächen mit diesen wunderbaren Menschen.
Um den eigenen Nachvollzug der Analysen mit den Filmausschnitten zu erleichtern, verweisen Laufzeiten h:mm:ss auf die jeweiligen Passagen in den Filmen. Diese Zeitangaben können je nach Format, Gerät und Software variieren. Sie wurden dennoch integriert, da sie zumindest einen Anhaltspunkt liefern, wo die besprochenen Szenen zu finden sind.
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Bruun , die und in Kopenhagen stattfanden. Schon in der ersten Film-Trilogie »Europa« ist Lars von Trier in allen Filmen präsent: In Europa und The Element of Crime beschränkt er sich auf die seit Alfred Hitchcock recht typischen Cameo-Auftritte eines Auto- renfilmers. In Epidemic übernahm er die Hauptrolle des Films und spielte sich selbst, wie er ein Drehbuch für einen Film schreibt, in dem er ebenso die Haupt- rolle spielt.
Schepelern — But what is there to understand if the director knows precisely what he must have? Hierzu zählen die Abkehr von Traditionen des dänischen Kinos, die Konsistenz von Themen, die Selbstauferlegung von Regeln, welche ihren Höhepunkt in dem Dogma-Manifest findet, sowie das Schreiben von Statements und Manifesten zu seinen Filmen ähnlich zu Eisenstein, Vertov und Godard.
Schepelern und für sich die Freiheit des Künstlersubjekts zu reklamieren. Diese Bewegungen verstanden den Film als das Werk eines individuellen Urhebers statt als das kollaborative und mithin weitestgehend anonyme Produkt einer Enter- tainment-Industrie. Die Urheberschaft wurde dabei für die Figur des Regisseurs bzw.
Das Autorenkino versprach eine gesellschaft- liche Aufwertung, indem es den Film aus seinem Schattendasein zu einer eigenen Kunstform erhob vgl. Watson Autorschaft ist ein Konstrukt, an dem Filmschaffende und Publikum betei- ligt sind, von der Produktion über die Distribution bis hin zur Rezeption. Doch muss dieses Konstrukt keinesfalls der Wirklichkeit entsprechen.
Der Autorbe- griff lässt sich sicherlich als ein Notbehelf verstehen, der das Zusammenwirken zahlreicher Personen stellvertretend in einer bündelt. Er lässt sich auch mit Michel Foucault als eine Möglichkeit sehen, verschiedene Texte zu einer Gruppe zusammenzufassen,21 sodass der Begriff als analytischer Ansatz dient, mit dem Filme desselben Regisseurs bzw. Auch wenn diese Reduktion die Korpora erst handhabbar macht, sollte bewusst sein, dass mit ihr sprachlich eine Realität geschaffen wird, die der Produktionsrealität nicht unbedingt entsprechen muss, ja ihr sogar widersprechen kann.
Der kanadische Schriftsteller Michael Ondaatje macht auf die Diskrepanz zwischen realer Praxis am Set und öffentlicher Rezep- tion aufmerksam: It is hard for any person who has been on the set of a movie to believe that only one man or woman makes a film. But as far as the public is concerned, there is always just one Sun-King who is sweepingly credited with responsibility for story, style, design, dramatic tension, taste, and even weather in connection with the finished project.
When, of course, there are many hard-won professions at work. Ondaatje xi Das vorliegende Kapitel widmet sich dieser Spannung zwischen den Arbeitspro- zessen in der Filmproduktion und der Idee vom Regisseur als »Sonnenkönig«,22 wobei die musikalische Dimension im Mittelpunkt steht. So haben Pierre Bourdieu und Howard Becker ausführlich über die kulturelle und künstlerische Produktion Bourdieu , bzw.
Kunst als kollektives Handeln Becker , geschrieben. Becker führt in seiner kunstsoziologischen Studie Art Worlds sogar das Beispiel des Abspanns eines Hollywood-Films an, der die zahlreichen Personen und ihre vielfältigen Aufgaben für das Zustandekommen explizit darstellt vgl. Containing the Greek roots for music »melo« and passion or madness »mania« , it implies a more excessive, even irrational love for music than its English equivalent.
Gorbman Auf diese Weise weitet Gorbman das Konzept des Auteurs auf die Musik aus. More and more, music-loving directors treat music not as something to farm out to the composer or even to the music supervisor, but rather as a key thematic element and a marker of authorial style. In Anbetracht dieses Verweises auf den Auteur als ideologische Konstruktion ist der Personenkult, den Gorbman in ihrem Aufsatz betreibt, erstaunlich.
Gorbmans Pantheon beherbergt u.
Das Nervensystem
Quentin Tarantino, Martin Scorsese, Stanley Kubrick, Jean-Luc Godard, Jim Jarmusch und Sally Potter. Forst 34 Most clearly at play in Europa […], the kind of cinematic counterpoint mobilised by von Trier echoes the technical innovations of Wagner, transposing his approach to opera into the realm of the cinematic. Bainbridge 2 Lars von Trier konfrontiert den Filmzuschauer mit seiner Lesart [von Richard Wagners Tristan und Isolde in Melancholia] zwei Mal, in einer musikalischen Meta- Ebene und danach in einer narrativen Bild-Ebene — ganz genau so, wie Richard Wagner das in seinen romantischen Opern Der fliegende Holländer, Tannhäuser und Lohengrin auch tut.
Sonntag 77 Folgende Implikationen, deren Betonung mir wichtig erscheint, finden sich in den Zitaten: Lars von Trier wird die Handlungsmacht zugeschrieben. Er ist der- jenige, der handelt, und nicht eine Gruppe von Filmschaffenden. Dies wird durch einen Vergleich bestärkt: Genauso wie Richard Wagner oder Johann Sebastian Bach vorgeblich die alleinige Macht über ihre Partituren gehabt haben, besitze Lars von Trier die alleinige Verfügungsgewalt in der Filmproduktion.
Ferner ist bereits die Idee von Autorschaft geschlechtlich codiert. Im Gegen- satz zu Gorbman beleuchtet Rabenalt etwa die langjährige und fruchtbare Zusammen- arbeit zwischen Martin Scorsese und dem Music Supervisor Robbie Robertson. Auf die Music Supervisors, die mit Lars von Trier arbeiteten, gehe ich weiter unten ein. Diese Aussagen stellen beileibe keine Sonderfälle dar, sondern bilden im Gegen- teil eine gängige Praxis im wissenschaftlichen Diskurs ab.
Im Fall Trier werden immer wieder die Komponisten, Sound Designer und Music Supervisors Kristian E. Andersen, Joachim Holbek und Mikkel Maltha als die Verantwortlichen im Abspann genannt. Für beispielsweise Melancholia war Andersen als Arrangeur, Sound Designer und Music Supervisor tätig. Im wissenschaftlichen Diskurs über die Musik in diesem Film spielt er jedoch kaum eine Rolle.
Bei Sonntag 67—77 wird Andersen überhaupt nicht genannt, bei Larkin erscheint er immerhin zwei Mal 45, 49 , was jedoch angesichts der fast maligen Nen- nung Triers in Kombination mit der Bearbeitung der Tristan-Musik in diesem Film als ein zentrales Thema des Aufsatzes fast nichtig wirkt. Doch wodurch entsteht bei der Betrachtung der Filme die Annahme, die Verwendung von Musik in ihnen sei durch eine individuelle Hand- schrift des Regisseurs geprägt?
Und wie lässt sich die Idiosynkrasie hinsichtlich der Verwendung von Musik in diesen Filmen beschreiben? Skellerns Musik zeichnet sich durch einen sentimentalen Liedtext mit Klavierbegleitung sowie Bläser- und Chorarrangements aus. Das Lied wurde nach der Filmpremiere auf den Festspielen in Cannes gespielt. Ähnlich wie bei Stanley Kubrick erklang Musik bereits am Filmset. Bemer- kenswerterweise wurde auch Musik verwendet, die später gar nicht in den Film Einzug fand.
Es war — in Triers eigenen Worten in Parly 3 — »fucking mythological! Bo Holtens Filmmusik stellt eine Ausnahme dar, denn in den meisten Filmen erklingt präexistente Musik. Von den zwölf Kinofilmen, die im Zeitraum von bis erschienen sind Tab. Die Verwendung von präexistenter Musik ist eindeutig vorherrschend. Spätes- tens seit Stanley Kubrick gilt die Verwendung von präexistenter Musik als Auto- rensignatur.
Die Digitalisierung hat diese Entwicklung und Denkweise entscheidend beeinflusst: The digital revolution has made music ever more accessible and malleable as an increasingly personal means of expression. Gorbman ; Herv. Neue Musiktechnologien erleichterten den Zugang zu und die Verwendung von präexistenter Musik vgl.
Hubbert Auch wenn präexistente Musik bereits im Stummfilm verwendet wurde, hat die Digitalisierung die Art und Weise ver- ändert, wie Filmschaffende mit der Tonspur arbeiten: Sie können im Internet nach Musik suchen, Songs herunterladen und mithilfe digitaler Bearbeitungssoft- ware sofort in ihre Filme einfügen. Beethovens Fünfte oder Queens »Bohemian Rhapsody« in einer Szene auszuprobieren, ist kaum mehr als ein paar Klicks ent- fernt.
Der Aufstieg der digitalen Musik und der Streaming-Dienste spiegelt dabei die zeitgenössischen Compilation Soundtracks wider. Einst stilistisch konsistent, wurden diese im neuen digitalen Kino zu einem »specially curated pastiche of pre-existing music« Hubbert , das so eklektisch sein kann wie eine Playlist auf Spotify. Im Abspann von The House That Jack Built werden Lars Ulrich und Alex Riel erwähnt.
Mikkel Maltha, der Music Supervi- sor des Films, erläuterte mir diese Zusammenarbeit: Lars Ulrich and Alex Riel were involved in The House That Jack Built. These two are probably the best drummers Denmark has to offer. Lars invited both of them to a foray into the woods where they played on several things like tree trunks and made recordings for the film.
Maltha, persönliches Interview, Mervyn Cooke bezeichnet diese Zusammenarbeit in seiner berühmten History of Film Music als »one of the boldest and least-conventional film projects to have featured a star pop performer« Gleichwohl ist die Filmographie auch durch andauernde Kollaborationen geprägt, wie etwa mit den Komponisten, Sound Designern und Music Supervi- sors Kristian Andersen, Joachim Holbek und Mikkel Maltha.
So haben sie auch keine herausragende Position in den Filmabspannen in den Vorspannen werden sie erst gar nicht genannt. Andersen erscheint beispielsweise in dem Abspann von Melancholia erst nach gut dreieinhalb Minuten. Björk hat es in dem Abspann zu Dancer in the Dark immerhin direkt unter Triers Nennung geschafft.
Nun zeichnet sich Triers Filmographie vordergründig durch ausgeprägte Varianz aus: von dokumentarähnlichen und mithin vermeintlich authentischen Bildern einer Handkamera bis zu höchst arti- fiziellen und in der Postproduktion stark manipulierten Bildern, von Genre- Abwandlungen eines Melodramas bis zum Pornofilm.
Die Musikauswahl erscheint ähnlich divers und reicht von Barock v. Im Hinblick auf die verschiedenen Stile und Genres mag sich die Invarianz zunächst in der Varianz zeigen, d. Anhand dieser Filme lassen sich bereits zwei filmübergreifende Strategien im Umgang mit und in der Platzierung von Musik in den Filmen identifizieren.
Ers- tens findet oft innerhalb eines Films ein musikalisch-stilistischer Bruch statt, der mit dem Abspann einhergeht: Wagners Tannhäuser vs. Nina Hagen im Abspann von Epidemic, frühe Pop- und Rockmusik vs. Zweitens zeichnen sich einige Filme durch die Adaption eines Musikstücks aus, welches mehrmals im Film erklingt und somit als musikalisches Thema des Films verstanden werden kann.
In quantitativer Hinsicht erstaunlich erscheinen Epidemic und Melancholia, da beide Filme über weite Strecken von Wagners Tannhäuser-Ouvertüre knapp ein Zehntel der Laufzeit von Epidemic bzw. Tristan-Vorspiel fast ein Viertel der Laufzeit von Melancholia begleitet werden. Die häufigen Wiederholungen der Musikstücke markieren einen hohen Stellenwert der Musik innerhalb des Films, wodurch der Eindruck entstehen mag, dass Lars von Trier »die Geschichte aus der Musik heraus [erzählt] und entwickelt« Sonntag Es handelt sich also um eine Geschichte, die im zweiten Teil wei- tererzählt wird.
Die konsistente Musikauswahl und Stilistik unterstreicht den Status als fil- mische Einheit. Erst mit den beiden letzten Filmen Nymphomaniac und The House That Jack Built wird mit der weitestgehend invarianten Musikauswahl innerhalb eines Films gebrochen. Diese beiden Filme betitelte Lars von Trier mit seinem neuen Genre »Digressionism«, welches sich gegen die konsistente Filmgestaltung wen- det.
Das Prinzip der andauernden Neuerfindung, welches zuvor von Film zu Film ersichtlich war, findet nun innerhalb der Filme Anwendung. Das Stück stellte zuvor das musikalische Thema von Idioterne dar. Während die Musik in Idioterne von einer Melodica gespielt wird und für den kindlichen und einsamen Charakter der Protagonistin steht vgl. In Nymphomaniac steht »Le Cygne« für den romantischen Kitsch, dem Joe und ihre Freundin den Krieg erklären.
Die besagte Arie erklingt im Prolog und Epilog von Antichrist. In Nymphomaniac befindet sich zu dieser Musik eine ganz ähnliche Situation: Joe lässt ihren Sohn über Nacht allein, um K zu treffen und ihren maso- chistischen Gelüsten nachzugehen. Ihr Sohn klettert aus dem Bett, klettert auf die Balkonbalustrade und spielt mit dem Schnee zweiter Teil, ab Der Verweischarakter auf den Prolog von Anti- christ ist besonders stark, da dieselbe Komposition in derselben Aufnahme eine ähnliche Situation zur gleichen Jahreszeit mit einem teils identischen Cast beglei- tet Charlotte Gainsbourg spielt sowohl die Ehefrau in Antichrist als auch Joe in Nymphomaniac.
In The House That Jack Built wird sogar eine Szene aus dem Finale von Melancholia inklusive der Tristan-Musik direkt übernommen Wie bereits aus den bisherigen Erläuterungen ersichtlich, kommen David Bowie und Richard Wagner im Filmkorpus eine besondere Stellung zu. Mikkel Maltha, der für Trier als Music Supervisor tätig war, hebt die Bedeutung Bowies hervor: Although Lars von Trier and David Bowie never met, at least to my knowledge, there was certainly a relationship.
Während in Breaking the Waves noch lediglich ein Ausschnitt von »Life on Mars« zu dem letzten Kapitelbild zu hören ist,29 begleitet »Young Americans« in Gänze die Abspanne der »Land of Opportunities- Dilogie«. In seinem letzten Film The House That Jack Built ist, wie bereits erwähnt, Bowies »Fame« mehrmals im Verlaufe des Films zu hören.
Doch auch Richard Wagner spielt eine herausragende Rolle in Triers Film- schaffen. Auf die quantitativ herausstechende Adaption von Wagners Tannhäuser- Ouvertüre in Epidemic und das Tristan-Vorspiel in Melancholia wurde bereits auf- merksam gemacht. Darüber hinaus erklingt Wagners Musik in Nymphomaniac und The House That Jack Built, wenngleich es sich dort nur um kurze Musikaus- schnitte handelt aus der »Verwandlungsmusik« aus dem Rheingold bzw.
Von bis arbeitete Lars von Trier sogar an der Inszenie- 29 In der frühen Heimauswertung wurde der Song durch Elton Johns Liebeslied »Your Song« ersetzt. Das Projekt scheiterte jedoch letztlich vgl. Dies geschieht zum Teil höchst explizit, indem die filmischen Charaktere während des Erklingens von Musik auf ihre Komponisten Bezug nehmen. In Nymphomaniac kommentiert Seligman die erklingende Musik mit »Wagner: Das Rheingold.
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Staatlichen Veterinäruntersuchungsamts Karlsbad, Deutschland. Hugo Grau Oberveterinärrat als Direktor, A. Professor Oberveterinärrat als Direktor, A. Dieses Kapitel ist Teil des Digitalisierungsprojekts Springer Book Archives mit Publikationen, die seit den Anfängen des Verlags von erschienen sind. Der Verlag stellt mit diesem Archiv Quellen für die historische wie auch die disziplingeschichtliche Forschung zur Verfügung, die jeweils im historischen Kontext betrachtet werden müssen.
Dieses Kapitel ist aus einem Buch, das in der Zeit vor erschienen ist und wird daher in seiner zeittypischen politisch-ideologischen Ausrichtung vom Verlag nicht beworben. Reprints and Permissions. Ackerknecht, E. Das Nervensystem. In: Zietzschmann, O. Springer, Berlin, Heidelberg. Publisher Name : Springer, Berlin, Heidelberg. Print ISBN : Online ISBN : Anyone you share the following link with will be able to read this content:.
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Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie. Vieweg Sohn - Juli - [4] pp - Papieren omslag - 23,5 x 31 cm. Goed - met slijtage. Boekhandelszegeltje van Antiquariaat CPJ van der Peet uit Amsterdam. Zie extra Dokumentation einer Leidenschaft für zwei Gebäude. Fotografisch ins Bild gesetzt von Fred Hascher. Zwei unbekannte elsässische Katechismen aus der rappoltsteiner Hausbibliothek.
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Ursula ist 18 Jahre alt geworden. Ihr Vater und ihre Schwester wurden von Hamburg nach Minsk deportiert und dort getötet. Bernd Julius Leffmann war der Sohn von Rudolf und Edith Leffmann. Januar kommt Bernd Julius Leffmann in die Niederlande. Er machte wahrscheinlich im Jahr seinen Schulabschluss. Bernd wurde am Oktober in Berlin geboren, aber er lebte für eine Weile bei seinem Vater in Brüssel, bevor er in die Niederlande geht.
Nach weiteren eineinhalb Monaten muss er nach Westerbork, wo er am Juli ankam. Er kommt in die Baracke 61, wo sich eine Linoleumfabrik und eine [Patentruitenfabriek] befinden. Mit dem Transport vom September musste er nach Auschwitz. Vermutlich ist er direkt bei der Ankunft am September vergast worden. Bernd ist 18 Jahre alt geworden. Dezember in Mainz geboren.
Ihr Vater war Wilhelm Oppenheimer. Er wurde im Jahre geboren. Rosemarie und ihre Familie lebten am Schillerplatz 5. Rosemarie fühlte sich da nicht mehr sicher, und am 4. Januar flieht sie in die Niederlande und geht an die Quäker Schule Eerde. Rosemarie plante, im Jahr in die Vereinigten Staaten zu gehen, um dort ihre Studien fortzusetzen, aber der Krieg verhinderte das.
Juli muss sie von Vught nach Westerbork, und am September wurde sie von dort mit dem Zug nach Auschwitz deportiert. Unmittelbar nach der Ankunft, am September , wurd sie im Alter von 18 Jahren dort getötet. Rosemarie gehörte zu den elf Kindern, die Anfang Januar mit einem Kindertransport aus Frankfurt nach Eerde gekommen waren. Ihre Schwester Hilde geboren , später verheiratete Kane wurde als Lehrling aufgenommen vermutlich an der Landbauschule.
Im Sommer reiste sie mit einer Schülergruppe nach England. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vereitelte die Rückkehr nach Holland und rettete ihr das Leben. Wilhelm und Anna Oppenheimer wurden im September von Mechelen aus deportiert; er starb während der Deportation in Kosel , seine Frau wurde in Auschwitz ermordet.
Weil er Jude war, floh Klaus Metz aus Deutschland. Geboren wurde er August in Frankfurt am Main. Klaus war ab Januar Schüler an der Quäker-Schule in Eerde bei Ommen. Er will später Bauer in Palästina werden. Klaus muss im April nach Vught. Von dort wird er am Wenig später muss er in das Durchgangslager Westerbork gehen, wo er am Juli ankommt. September wurde Klaus nach Auschwitz deportiert.
Dort starb er, 21 Jahre jung, an Erschöpfung. In diesem Dokument ist auch ein Kurzporträt von Walter Vohssen enthalten, auf dessen Übersetzung nachfolgend zurückgegriffen wird. Er wurde am 5. Er hat es in seiner Kindheit nicht leicht gehabt, weil die deutsche Wirtschaft sich nach dem Ersten Weltkrieg stark verschlechtert hatte. Nachdem Adolf Hitler in Deutschland an die Macht gekommen war, wurde es der Familie bald klar, dass Hitler alle Juden vernichten wollte.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, geht Walter ins Schloss Eerde bei Ommen. Das ist die Quäkerschule. Da Walters Eltern die Ausbildung nicht selbst bezahlen können, tat das Hugo Kaufmann. Er war Direktor einer Bank in Amsterdam. Die Quäker-Schule bildete Walter für ein Leben als Bauer in Palästina aus. April [vermutlich ] muss er ins Lager Vught gehen.
Dort verbrachte er ein paar Monate, bevor er über Westerbork nach Auschwitz gebracht wurde, wo er am 8. Januar in der Gaskammer ums Leben kam. Walter Vohssen wurde 19 Jahre alt. Für Ernst ist dort der 4. Februar als Todestag vermerkt. Seine Mutter, Elisabeth Binswanger, blieb in Frankfurt am Main, Woehlerstrasse [1]4 zurück.
Seine Eltern konnten seine Ausbildung bezahlen. Ernst begann seine Ausbildung in Eerde am August Er musste nach Vught, wo er im April für mehr als drei Monate ins Gefängnis kam. Dann wird er noch für zwei Monate nach Westerbork gebracht, wo er in der Kaserne 9 blieb. September [] geht er nach Auschwitz. Er bleibt bis zum 7. Februar am Leben. Ernst Binswanger wurde 18 Jahre alt.
April in Breslau geboren. Hier lebte er bis zum Alter von 12 Jahren. Februar ist Klaus zusammen mit seinem Vater Franz Herzberg, einem Schlosser, und seiner Stiefmutter, Sarra Fainleib, in die Niederlande geflohen. Sie lebten dort in der Deurloostraat in Amsterdam. Klaus wurde am 8. September Schüler an der Quäker-Schule in Eerde. Glücklicherweise kann sein Vater das Schulgeld zahlen.
Die Absicht ist, dass Klaus nach seiner Ausbildung zusammen mit 24 anderen jüdischen Studenten in die Vereinigten Staaten gehen soll. Klaus Herzberg bleibt nicht bis zum Ende [seiner Ausbildung] auf Esch in Eerde. Er geht zu seiner Familie in Amsterdam zurück. August kommt er ins Lager Westerbork, wo er ein paar seiner Freunde wieder sieht.
Zusammen mit Klaus Seckel und Ernst Reiss muss er am 4. September auf einen Transport nach Theresienstadt. Nach drei Wochen wird er weiter nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er am 1. Oktober ermordet. Klaus war 19 Jahre alt geworden. Ein Stolperstein für Hermann Isaak befindet sich im Kettenhofweg in Frankfurt am Main. Dort wird der 1. Januar als Todestag genannt.
April in Frankfurt am Main. Im August wurden alle jüdischen Jungen und Männer in Deutschland, die keinen erkennbaren jüdischen Namen trugen, gezwungen, den zweiten Vornamen Israel zu übernehmen. Er ist jetzt 14 Jahre alt. Januar kommt Hermann in die Niederlande. Er meldet sich am selben Tag noch bei der Leitung der Schule auf Schloss Eerde. Seine Ausbildung wird von seinen Eltern nicht bezahlt, aber von der wohlhabenden Quäkerin Martha Turk.
Sein Vater, Simon Isaac, hält sich zu diesem Zeitpunkt, wie auch der Rest der Familie, bereits in London auf. Hermann hatte bereits ein Visum nach London beantragt, um von da dann in die Vereinigten Staaten zu reisen. Aber durch den Ausbruch des Krieges ging das nicht mehr. April bestieg Hermann den Zug ins Lager Vught. Einen Tag später kam er dort an. Von Vught aus schrieb er mehrmals nach Eerde und bat, ihm lateinische Bücher, deutsche Klassiker und eine Kopie des Roland-Lieds zu senden.
Während seinem Aufenthalt in Vught ist Hermann Schneiderlehrling. Später kam er in ein Aussenkommando in Moerdijk, wo er Panzergräben ausheben musste. Juli wurde Hermann von Vught nach Westerbork geschickt. Er bleibt dort für mehrere Monate und wurde am September [] nach Auschwitz geschickt. Dort erzählt er während der Kälte und dem Hunger viele Geschichten über Eerde und über deutsche Klassiker.
Januar starb er während des Transports nach Gleiwitz, einem Aussenlager von Auschwitz III. November in Hannover geboren. Später lebte er in Berlin. Januar kam er nach Ommen. Er ist acht Jahre alt und geht in die Quäker-Schule in Eerde. Seitdem hat er ein Tagebuch geführt. Nach mehreren Jahren an der Quäker-Schule Eerde brach der Zweite Weltkrieg aus. Klaus bemerkt am Anfang nicht viel vom Krieg, aber als er 12 Jahre alt ist, dürfen die jüdischen Schüler mehr nicht auf im Schloss bleiben.
Sie werden in das Nebengebäude De Esch umquartiert. Klaus Seckel braucht keinen Stempel, um nicht abgeschoben zu werden, denn er ist noch zu jung für einen Ausweis. Deshalb hat er auch keinen Taufschein der Quäker benötigt. Er hat aber für diesen Stempel gut eine halbe Stunde lang mit Ernst Reiss zusammen in einer Warteschlange in Amsterdam gestanden. Im März bekommt er doch einen Stempel [Taufschein?
April muss er nach Vught gehen. Mai wird Klaus nach Westerbork überführt. Dort sieht er nach einem Jahr Klaus Herzberg und Rudolf Reiss wieder. September wird Klaus nach Theresienstadt transportiert und am Oktober nach Auschwitz. Februar starb Klaus in Auschwitz. Klaus ist 16 Jahre alt geworden. Januar befreit worden war, ist unklar, was mit Klaus Seckel in dem Monat bis zu seinem Tod geschehen ist.
Er wurde als Ernst Rudolf Israel Reiss am August in Hamburg geboren. Die Familie ist evangelisch. Doch die Nazis machen ihnen ihr Leben schwer. Rudolf wurde zur Sicherheit im September in die Niederlande geschickt. Seine Mutter, Mary May Reiss, die Witwe von Adolf Elith Reiss und Mutter von Ingeborg Reiss, konnte nicht alle Kosten für Rudolfs Schulbesuch zahlen.
In der Quäkerschule wird er als Landwirt ausgebildet, damit er später in Palästina Bauer werden kann. In Eerde ist er mit Klaus Seckel befreundet. Er schläft mit ihm im selben Raum. Klaus schreibt in seinem Tagebuch, dass er und Rudolf besser zusammen gepasst hätten, als er vorher gedacht habe. Rudolf hält wie Klaus viel vom Lesen. Von Vught aus kommt Rudolf am Mai nach Westerbork; er bleibt dort in der Baracke September kommt Rudolf auf einen Transport nach Theresienstadt.
Von dort ging er am Hier wurde er am Januar erschossen. Sanders Eltern waren aus Breslau nach Amsterdam gekommen. Er war Halbjude und lebte ab in Eerde. Im Oktober wurde er bei einer Razzia verhaftet und nach Deutschland deportiert. Die Zeichnungen, die entstanden sind, zeigen den Tagesablauf eines Schultags, beginnend mit Frühstück und Gymnastik.
Die Zeichnungen waren ein Geschenk von Ulrich Sander für seinen Freund zu dessen sechzehnten Geburtstag. Wolfgang Frommel wurde durch den Staat Israel als Gerechter unter den Völkern in Yad Vashem geehrt. Zu recht, wie Marita Keilson-Lauritz befindet:. Da lässt sich kritisch fragen: Wurden am Ende nur die Lieblinge, die schönen Jungen gerettet?
In ähnlicher Weise ist es auch schwer, ein eindeutiges Urteil über das Verhalten der Schulleitung und der Quäker zu fällen. But at the time other considerations called the wisdom of such a retreat into question. Wimmer soll Kappers versichert haben, dass Eerde ungestört weiterarbeiten könne, solange dort deutsche Erlasse befolgt würden und niemand beschäftigt werde, der in illegale Handlungen verstrickt sei.
Die deutschen Besatzer würde jeden in Eerde lebenden Menschen als Mitglied der Gemeinschaft der Quäker betrachten und deshalb bestünde dort weder für Juden noch für Heiden eine Gefahr. In the end sceptics, of whom there were many, were proved right when the remaining Jewish Children at De Esch were taken to Vlught concentration camp on April 10, , and thence to Auschwitz, where all of them perished.
In Berthold Hegeners Bericht über das Treffen ehemaliger Eerdener Schüler im Jahre [93] überwiegen verständlicherweise die positiven Erinnerungen. Auf früheren Altschülertreffen scheint das Thema dagegen eine eher untergeordnete Rolle gespielt zu haben — zumindest in der Darstellung von Hanna Jordan. Aussage steht gegen Aussage und Vermutung. In der Samstag-Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom April trat Klaus, der Jüngste, mit seinen 11 Kameraden die Fahrt an, von der keiner zurückkommen sollte.
Er hat, wie Millionen mit ihm, sein Kreuz genommen und bis zum Ende getragen. Ich nahm das Kreuz, ging aus dem Haus, weg von den Menschen, in die Natur und setzte mich auf eine Bank, ich hätte beinahe seit langem wieder geweint. Klaus Seckel freilich wird über das Grundschulalter hinaus das Tagebuchschreiben mehr und mehr zum inneren Bedürfnis. Deutlich wird das in einem Eintrag von Ende November , kurz nach Klaus Seckels Denn am Anfang habe ich es nur geführt, weil ich es musste, und dann habe ich es eine Zeitlang nur schematisch weiter geführt.
Mir gefällt der Name Tagebuch nicht mehr, es stimmt ja auch gar nicht. Soll ich es Erinnerungen nennen? Klaus Seckels Tagebuch umfasst die Zeitspanne von bis , die er in Eerde verbrachte. Die Tagebücher sind Zeugnisse einer zunehmenden Bedrohung, von den unbeschwerten ersten Jahren, bis zum Abtransport nach Auschwitz. Völlig unbekannt ist ihm das Geschehen draussen und die Not der Welt, und gerade darum ist es so ergreifend, den einfachen Ablauf der Schulerlebnisse zu lesen.
Nach und nach wächst aus dem Kinde der Knabe. Nur mühsam kann er seine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen, aber die Natur spricht zu ihm in seiner Freude an Pflanzen und Tieren. Allmählich droht die behexte Welt; doch die Drohung spricht nie direkt zu ihm, ihr Einfluss wird nur in kurzen Bemerkungen und kleinen Aufzeichnungen spürbar, die der Erwachsene erfasst.
Sie finden auch ihren Weg in die Schulgemeinschaft: langsam getrennt von seinen nicht-jüdischen Mitschülern, mehr und mehr vereinsamt, sehnt sich der 14jährige Klaus nach seinen Eltern, nach wahrer Freundschaft und nach dem Ende des Krieges, das er nicht erleben sollte. Nach nur wenigen Tagebucheinträgen im März verfasst Klaus Seckel am 4. April einen seiner längsten Einträge.
Das kann vieles bedeuten. Das ist aber glaube ich nicht der Fall. Ich möchte wenn überhaupt Nr. März bekamen wir die Nachricht, bzw. Wir nahmen dies alles und alle mit grosser Ruhe zur Kenntnis. Die Stimmung war sehr selten so gut, hier im Haus, wie in diesen Tagen, alle sind nett und kameradschaftlich und hilfsbereit. Ein Gefühl wie früher. Meine Pflanzen sind sehr gewachsen, sie vertrocknen gerade, wenig Zeit.
April befindet sich Klaus Seckel zusammen mit den anderen Kindern aus dem Haus De Esch auf dem Transport ins Lager Vught. Eines ihrer letzten Lebenszeichen ist eine Postkarte, die sie aus dem Zug heraus an Werner Hermans, den Schulleiter, schreiben. Wir sind gerade von Zwolle abgefahren, wo wir Josi noch am Bahnhof getroffen haben.
Das letzte Stückchen Eerde! Aus der Sicht der Quäker stand anfangs eine Frage im Mittelpunkt: How could a school with a predominantly non-Quaker staff be a Quaker school? Auch Katharina Petersen wurde holländische Quäkerin. Auf Schloss Eerde waren ständig etwa 25 bis 30 Erwachsene beschäftigt, je zur Hälfte etwa Lehrpersonal und Funktionspersonal. Unterrichtshilfe von Praktikern — eine Voraussetzung.
Doch einige von ihnen können im Folgenden kurz skizziert werden. Er absolvierte eine Gärtnerlehre und danach die Lehrerausbildung in Rudolstadt Thüringen. Zeitweise war er Lehrer in der Freien Schulgemeinde Wickersdorf und hospitierte an der Odenwaldschule. Vor seiner freiwilligen Abreise in das Lager Vlught rettete ihn eine Bekannte, Laura van Honk, die ihn dann bei sich versteckte.
Nach der Wiedereröffnung der Schule im Jahre gehörte er erneut zu deren Lehrkörper. April wurde Heinz Wild aus dem Hessischen Schuldienst in den Ruhestand verabschiedet. Oktober , in der er sich auf seine Erfahrungen in Eerde stützt. Zusammen mit seiner Frau soll Wild am Aufbau des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs in Hanau beteiligt gewesen sein. Ein Bild des von ihm hochgeschätzten Albert Schweitzer stand immer auf seinem Schreibtisch.
In dem schon erwähnten Tonband-Transkript eines Gesprächs mit Laura van Honk skizziert diese Heinz Wild als einen recht widersprüchlichen Charakter: Einerseits sei er ein aufopferungsvoller Pädagoge gewesen, andererseits habe er sich selbst in den Zeiten der Besetzung der Niederlande noch zu einem konservativ-nationalen Deutschtum bekannt. Kurt Neuse September — März war seit Lehrer für Latein, Griechisch, Englisch und Geschichte und stellvertretender Schulleiter.
Nach dem Weggang von Katharina Petersen wurde er kommissarischer Schulleiter. Seine Frau, die englische Quäkerin Rose Vickery 4. August — , [] war die Buchhalterin der Schule. In der Campus-Zeitung des Middlebury Colleges vom Werner Neuse wird im ersten Semester [.. Frau Neuse wird einige literarische Arbeiten durchführen, um ihre Abschlussarbeit zu vervollständigen, die begonnen wurde, als sie das Ottendorf-Stipendium erhielt.
Die Neuses können auch für kurze Zeit nach Österreich und in die Schweiz gehen. Kurt Neuse, der derzeit in Ommen, Holland, an einer Quäkerschule für deutsche Flüchtlingskinder unterrichtet, wird im ersten Semester den Platz seines Bruders in der Deutschabteilung einnehmen. Er ist Absolvent der Universität Berlin und arbeitet an einer Arbeit über die englische Sprache.
Hier lebten er, seine Eltern und seine drei Schwestern bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Rose Neuse-Vickery war Quäkerin und kam an das Quäkerbüro nach Berlin. Sie erwarb an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, der heutigen Humboldt-Universität , das Diplom als Lehrerin für Deutsch für Ausländer. In dieser Zeit lernte sie auch Kurt Neuse kennen.
Hier wurde am Februar Sohn Richard geboren. Kurt Neuse musste nach dem Einmarsch der Deutschen in die Niederlande im Jahre sein Amt als Schulleiter niederlegen, blieb aber weiterhin an der Schule. Ende tauchte er, Veteran des Ersten Weltkriegs, nach einem Einberufungsbefehl unter. Die Deutschen waren sehr verblüfft über das, was wie sie vorbrachte, aber sie scheinen nicht viel Energie auf die Suche nach dem flüchtigen Reservisten verwendet zu haben.
Was sie nicht wussten, war, dass Neuse auf dem Dachboden des Wohnhauses seiner Familie Zuflucht gefunden hatte, wo er blieb, bis kanadische Truppen diesen Teil der Niederlande im April befreiten. Lawrence University mit Beginn des Collegejahres — zu Wissenschaftlern berufen werden [ Kurt Neuse. April im FRIENDS JOURNAL.
Referenzen auf Anfrage. Kurt Neuse, 10 Buck Street, Canton, New York. Als der dreizehnjährige Hans A. Schmitt im September von Frankfurt aus seine Reise nach Eerde antrat, tat er das bis Neuss ohne Begleitung. Dort wurde er von Miss K. Das Geheimnis, wer Miss K. Auf unserer Reise am nächsten Tag würde ich erfahren, dass sie die neue Kunstlehrerin an meiner Schule sein würde.
Nach dieser Enthüllung profitierte sie von meiner günstigen Auslegung der zweifelhaften Umstände, und ich fand ihre Gesellschaft sehr viel angenehmer als ich erwartet hatte. Ein verheirateter Lehrer war beobachtet worden, wie er sich morgens aus dem Zimmer von Miss K. Schwangere unverheiratete Lehrer oder Schüler würden die Schule zerstören. Jeder, der die Regeln des Zölibats brach oder die der Monogamie, wovon verheiratete Erwachsene betroffen waren, gefährdete die Gemeinschaft und verlor alle Ansprüche auf ihre Toleranz.
Jan Boost war ab Oktober der erste Vollzeitlehrer für die niederländischen Schüler. Diese Schüler waren zur Stabilisierung des Schul-Budgets wichtig, doch deren Eltern legten auch Wert darauf, dass ihre Kinder einen holländischen Schulabschluss erreichen konnten. Dies zu gewährleisten, war die Aufgabe von Jan Boost. Boost hatte zuvor am Schweizer Internat Le Rosey unterrichtet, wo der letzte Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi , und dessen Bruder zu seinen Schülern zählten.
Ich entdeckte bald, dass er die weltliche Disziplin ebenso verabscheute wie die organisierte Religion. Boost erlaubte seinen Schülern, seine private Bibliothek zu benutzen und machte sie mit der zeitgenössischen Literatur und dem zeitgenössischen Theater vertraut. Aber auch als Begleitperson für längere Fahrradtouren war er sich nicht zu schade, so dass Schmitt ihn als warmherzigen Freund empfand und als einen der Lehrer, der ihn in Eerde mit am meisten beeindruckt hat.