Fernweh psychologie

Es ist eindeutig nachweisbar, dass Reisen antidepressiv wirkt. Weil man nicht mehr um sich selber kreist, nicht mehr ständig über sich nachdenkt und grübelt. Auf Reisen muss man sich stärker nach aussen orientieren. Wenn wir uns dann noch bewegen — mit dem Zug oder dem Fahrrad — dann kommt es zu einem Flow-Erleben.

Was wirklich hinter deinem Fernweh steckt |

Das intensiviert unsere Wahrnehmung. Dadurch erinnern wir uns auch besser. Sie sprechen jetzt vor allem von grossen, langen Reisen — wie ist es mit Ferien von zwei oder drei Wochen? Ist der Effekt derselbe? Das intensivere, freie Leben mit Neugier und Aufmerksamkeit, Lebensintensivierung und Wahrnehmungsstimulierung — das können Sie durchaus in einer kürzeren Reise erleben.

Ebenso eine höhere kognitive Flexibilität. Das Identitätsstiftende, das Verändernde, das finden Sie eher auf längeren Reisen. Der richtige Erholungseffekt setzt üblicherweise erst nach zwei, drei Wochen ein. Wenn ich woanders bin, kann ich auch jemand anderes sein. Sei es auch nur für zwei Wochen. Ich kann mich also temporär neu erfinden, Abstand von mir selbst gewinnen.

Aber auch das Gegenteil — ich kann mich besser kennenlernen. Einerseits kann es beim Reisen zu einer Selbstaktualisierung kommen. Dadurch, dass man nicht mehr in diesen Alltagsmustern feststeckt, hat man die Möglichkeit, Distanz zu gewinnen gegenüber seinem eigenen Leben, neu zu justieren. Wo will man hin? Was sind die eigenen Werte?

Fernweh – Die Flucht vor sich selbst (Psychologie & Reisesucht)

Andererseits kann man auf Reisen auch jemand anderes sein oder besser: andere Seiten von sich leben. Das sind oft Seiten, die schon vorhanden, aber durch den Alltag verschüttet sind. Max Frisch hat mal gesagt, dass er auch reist, um nicht von anderen schon immer gekannt zu werden. Um wieder frei sein zu können.

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Fernweh – Die Flucht vor sich selbst (Psychologie & Reisesucht)

Best of Input: «Ach, jeder hat doch ein bisschen ADHS». Best of Input: Mach mal Pause! Spleens, Ticks, Marotten: Nicht nur ok, sondern sogar gesund. Ihren Beweggründen wohl am nächsten kommt die im Rahmen der Reiseanalyse erstellte Umfrage zu den Urlaubsmotiven der Deutschen. Erst mit deutlichem Rückstand folgen Motive wie "Neue Eindrücke gewinnen", "Viel erleben", "Unterwegs sein", "Andere Länder erleben", "Etwas für Kultur und Bildung tun" oder gar "Aktiv Sport treiben".

Salopp gesagt: Die allermeisten Leute wollen offensichtlich am Strand in der Sonne liegen und es sich gutgehen lassen. Daran hat sich laut Lohmann in den vergangenen 50 Jahren auch nicht grundlegend etwas geändert. Das sieht auch Christina Miro so, Psychologin, Reisetherapeutin und "leidenschaftliche Weltentdeckerin". Sie interessiere sich vor allem für Kultur, Sprache und Lebensweise der Menschen.

Das sei in den eigenen vier Wänden nicht so einfach, da zu Hause nun einmal viele Verpflichtungen warten. Das wird vor allem mit Wärme, Sonne, Strand und Meer in Verbindung gebracht. Ähnlich wie bereits vorherige Krisen hat auch die Corona-Pandemie den Deutschen ihre Reiselust nicht vermiesen können. So wie Terroranschläge oder Umweltkatastrophen die Tourismusbranche jeweils nur vorübergehend ausbremsten, so nahm das Urlaubsgeschäft auch schnell wieder Fahrt auf, nachdem die Corona-Reisebeschränkungen gefallen waren.

Vielerorts lagen die Zahlen im vergangenen Jahr bereits wieder nahezu gleichauf mit dem Jahr Christina Miro wundert das nicht. Das Bedürfnis nach Freizeitaktivitäten, sozialen Kontakten und Abwechslung konnte nur begrenzt befriedigt werden, ebenso wie der Wunsch unerfüllt blieb, die gewohnte Umgebung zu verlassen und zu reisen. Unabhängig von den Motiven, die Menschen aufbrechen lassen, haben Reisen zweifelsohne eine bedeutende Wirkung auf Körper und Geist.

Doch das Problem ist: Diese Gedanken entstehen aus einem Mangel heraus. Ein Wenn-Dann-Denken tritt ein — in meinem Fall: Erst wenn ich Sonne und Strand habe, dann bin ich richtig glücklich. Das Resultat ist ein permanenter Fluchtreflex. Durch diesen Fluchtreflex verliert der jetzige Moment an Schönheit. Man kann ihm nicht mehr intensiv begegnen.

Denn die Gedanken hängen fast dauerhaft in der Zukunft. Doch innerer Frieden entsteht nur dann, wenn wir mit unserer Aufmerksamkeit vollkommen im Hier und Jetzt sind. Heute kann ich dir sagen: Egal, an welchem Ort du bist — das Gras ist nirgendwo grüner. Hinter all den Reisewünschen und dem Fernweh steht in Wirklichkeit ein Gefühl , das wir vermissen.

Es geht gar nicht um die Südsee, den Traumstrand oder den Städtetrip: Es geht nur um das Gefühl, welches wir mit diesem Ort verbinden. Solltest du also zu den Fernweh-Kandidaten gehören: Welches Gefühl vermisst du zurzeit in deinem Leben? Sehnst du dich vielleicht nach Entspannung, vermisst du das Abenteuer, die Freude oder Freiheit?

Weshalb zieht es dich weg — was engt dich in deinem jetzigen Leben ein? All die Sehnsucht , ist in Wahrheit nur eine Sehnsucht, nach einem Ankommen in dir selbst — und nach der Frage: Wer bist du?