Psychologie alles auf sich beziehen
Es ist nicht entscheidend, ob wir Likes unter unserem Facebook-Post haben, dass der:die Chef:in unsere Arbeit lobt oder der:die Partner:in abends "Ich liebe dich" sagt. Wir dürfen lernen, uns selbst mehr anzuerkennen. Zum Beispiel dadurch, dass wir uns entscheiden, klare Ansagen zu machen, unserer Berufung zu folgen, uns nicht selbst runterzumachen und vieles mehr.
Wer das schafft, macht sich unabhängig von den Meinungen anderer, und ist deshalb gelassener, wenn einmal Kritik von anderen kommt. Denn das, was wir aussenden, bekommen wir auch zurück. Und eine erste Veränderung könnte sein, öfter zu lächeln. Konflikte ansprechen Die anderen können nicht in uns hineinschauen. Weil ich mir denke, die können zwar viel reden, aber das, was in meinem Kopf vor sich geht, das können die ja sowieso nicht reparieren.
Claas-Hinrich Lammers hat viele Patientinnen und Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung, die den Weg in seine Klinik finden. Die kommen nicht zu einem und sagen, ich bin ein Narzisst und ich brauche irgendwie Hilfe, sondern sie kommen, weil sich die Frau wieder getrennt hat oder weil sie beruflich wieder mal gescheitert sind.
Aber im Grunde genommen ist der Erstkontakt mit den Patienten immer eine Krisenintervention. Dass ich komplett alles verloren hatte. Emotional bin ich dann irgendwann eingekracht. Kracht jeder mal ein, auch ein Narzisst. Sie will anonym bleiben, ist Mitte 30 und kommt aus dem Raum Berlin. Bei ihr wurde der sogenannte Vulnerable Narzissmus diagnostiziert.
Jegliche Ärzte haben versagt, sage ich mal, konnten mit mir einfach nicht umgehen, weil ich auch ziemlich unreflektiert war und kritikunfähig. Was wollt ihr mir erzählen? Dementsprechend bin ich dann nochmals in eine Klinik. Dort wurde dann die Diagnose gestellt. Von einer Oberärztin. Ich sage, ich bin nicht rechtsradikal. Ich habe damit nichts zu tun! Ich wusste nicht, was das ist!
Aber sie sagt auch, dass sie das aus Angst getan hat. Aus Angst ihn zu verlieren. Als die Beziehung in die Brüche geht, habe sie aufgehört zu essen, sich komplett aufgegeben, nur noch Leere gespürt. Darin bist du eingesperrt. Ich habe dafür keine Worte. Aber es verstehen viele halt auch nicht. Die zweifache Mutter stört sich daran, dass ihr Leiden häufig als Täterschaft angesehen wird.
Dementsprechend stehst du als Narzisst dann immer als Missbraucher da. Das finde ich persönlich extrem diskriminierend, stigmatisierend.
Alles auf sich beziehen
Natürlich gibt es Missbrauch, das streite ich gar nicht ab, es gibt körperlichen, emotionalen Missbrauch. Aber warum muss man einem Missbrauch noch zusätzlich einen Begriff geben? Spricht man auch vom Borderline-Missbrauch oder vom Depressionsmissbrauch oder von Panikgestörten-Missbrauch? Jede Beziehung mit einem psychiatrisch Erkrankten ist doch demnach dann toxisch oder nicht?
Sie unterteilen in Gut und Böse. Geben Menschen, die in Krisen stecken, Bestätigung: der Partner, die Chefin, die Leute vom Jugendamt — vermutlich Narzissten. Die Online-Coaches nehmen viel Geld für ihre persönlichen Beratungen. Zum Beispiel: über Euro für ein kurzfristig verabredetes Telefonat, knapp Euro für eine E-Mail mit Antworten auf dringende Fragen.
Wo aber findet sich wirklich seriöse und niedrigschwellige Hilfe? Sie sind keine ausgebildeten Psychiater oder Psychologen. Sie stellen keine Diagnosen. Wir haben festgestellt, dass es in Deutschland gar nichts gab. Es gab Stammtische und es gab online ganz viele Foren, also Facebook-Gruppen und bei Youtube. Aber es gab keine oder wenig Selbsthilfegruppen.
Allen zu helfen sei aber schwierig, sagt Arne Salisch: "Ein Narzisst, so wie er verstanden wird, kann alles Mögliche sein. Der hat paranoide, dependente, hat Borderline-Anteile, hat dissoziale Anteile. Dieser Begriff wird umgangssprachlich so weitläufig verwendet, dass jeder ein Narzisst sein kann. Diese Abhängigkeit besteht aber eben nicht nur darin, dass Bedürfnisse elementarer Natur erfüllt werden, sondern auch darin, dass ich als kleiner Mensch den Spiegel und die Bestätigung der Eltern oder der Personen, die diese Rolle einnehmen benötige um zu wissen, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.
Welche Menschen sind besonders für Schuldgefühle empfänglich?
Ich benötige als Kind Wärme, Aufmerksamkeit und Verständnis. Wenn ein Kind zu laufen lernt und die Eltern applaudieren ich sage gern: kleine Kinder brauchen uneingeschränkten Eltern-Applaus , dann wird sie das motivieren weiter zu gehen. Wenn ein Kind darin aber unnötig gebremst wird, können Unsicherheiten entstehen, die wiederum dazu führen, dass das Kind statt auf sein eigenes Bemühen viel mehr darauf achtet, wie genau die Reaktion des Elternteils ist.
Ich bin dann mehr auf den anderen fokussiert als auf mein eigenes Wollen und meine eigene Entwicklung. Diese Ohnmacht lässt eine Person entweder verstummen, oder sie führt dazu, dass sie ihre Anstrengungen zu gefallen intensiviert. Es ist hierbei wichtig zu verstehen, dass das eine Art des alles-auf-sich-Beziehens ist. Ich richte mich jetzt ganz nach dem anderen, nach dessen Gesichtsausdruck, nach dessen Tonfall, versuche herauszufinden, was ich tun kann, um das Wohlwollen, die Liebe des anderen zu erreichen.
Und Stärken sind nicht nur jene Dinge, die du besser als jede oder jeder andere auf dieser Welt kannst. Beides ist sehr individuell und sollte realistisch auf dich und dein Leben angewendet werden. Auch eine Kündigung kann ein Erfolg sein, wenn du damit deinen Weg gehst. Eine Stärke ist ganz allgemein alles, was du gut kannst.
Und Erfolge sind Dinge, die dir deiner Meinung nach gut gelungen sind. Auch Verhaltensweisen sind Stärken. Du bist ehrgeizig und kannst dich gut um andere kümmern? Gut, dann sind das wohl zwei deiner Stärken. Sei stolz drauf. Es geht nicht immer um dich Häufig glauben wir, dass alles was passiert mit uns zu tun hat. Der Verkäufer ist unfreundlich? Deine Schuld. Deine Kollegin motzt dich an?
Dein Freund sagt euer Date ab? Tatsache ist aber, dass jeder Mensch erst einmal mit sich selbst beschäftigt ist. Deine Mitmenschen kreisen nicht um dich und du hast viel weniger Einfluss auf das, was passiert, als du denkst.
Wie Du es schaffst, Dinge weniger persönlich zu nehmen
Vielleicht haben der unfreundliche Verkäufer und die motzende Kollegin nur einen schlechten Tag oder sind einfach verdammt unzufrieden mit sich selbst. Mach dir bewusst, dass jeder Mensch der Mittelpunkt seines eigenen kleinen Universums ist. Niemand denkt den ganzen Tag über dich nach und es hat auch nicht immer alles mit dir zu tun.