Epigenetik psychologie definition
Dabei werden sowohl die Einflussfaktoren als auch die beteiligten Mechanismen untersucht. Epigenetische Mechanismen legen fest, wann welches Gen abgelesen oder stumm geschaltet wird. All das findet ohne die Veränderung der genetischen Informationen im Erbgut Mutationen statt. Stattdessen werden kleine, chemische Moleküle an die DNA angehängt. Werden sie wieder entfernt, sind auch die Informationen wieder freigegeben.
Weil die Informationen im Erbgut selbst nicht verändert werden und Umwelteinflüsse für die Veränderung verantwortlich sind, sprichst du von einer sogenannten Modifikation. Im menschlichen Körper sind verschiedene Prozesse für die epigenetischen Veränderungen bzw. Modifikationen zuständig:. Merke: Epigenetische Prozesse verändern nicht dein Genom genetische Informationen , sondern dein Epigenom epigenetische Veränderungen deines Genoms.
Die epigenetische Modifikation wird durch verschiedene Umweltfaktoren beeinflusst. Dadurch verändert sich das Epigenom eines Menschen im Laufe des Lebens abhängig vom Lebensstil. Das lässt sich vor allem am Beispiel von eineiigen Zwillingen zeigen. Sie haben zwar die gleiche genetische Ausstattung, können sich aber dennoch sehr stark unterscheiden.
Im Kleinkindalter sind die epigenetischen Markierungen des Erbguts noch sehr ähnlich. Bei epigenetischen Veränderungen spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:. Die Ernährung hat einen Einfluss auf die Epigenetik. Weltweit bemühen sich Wissenschaftler derzeit darum, die Basis dieser Interaktion zu entschlüsseln. Ihre Erkenntnisse könnten helfen, den Ausbruch psychischer Leiden zu verhindern und bedeutsame Fragen zu beantworten: Warum werden nur manche Menschen von traumatischen Erfahrungen aus der Bahn geworfen?
Wie entfalten Psychotherapien ihre Wirkung? Und weshalb sprechen Patienten so unterschiedlich auf Behandlungen an? In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind zunehmend Mechanismen in den Fokus der Forschung gerückt, die man als »epigenetisch« bezeichnet, was so viel wie »zusätzlich zur Genetik« bedeutet. Sie beeinflussen nicht den Inhalt unserer Erbanlagen, also die Gensequenz.
Vielmehr sorgt eine Reihe chemischer Schalter dafür, dass manche Gene schwerer abgelesen werden können und andere leichter. Wäre die Gesamtheit unserer Erbinformation — das Genom — ein Klavier, dann gäbe das Epigenom vor, welche der Tasten sich spielen lassen und welche nicht. Und damit auch die Melodien, die der Pianist darauf zum Besten geben kann.
Umwelteinflüsse und Erfahrungen können die Schalterstellung mehr oder weniger dauerhaft verändern. Manche hinterlassen eine so tiefe Spur in unserem Epigenom, dass sie wie eine Gravur nur schwer wieder zu entfernen ist. Im menschlichen Körper gibt es Hunderte von Zelltypen. Die zelltypspezifischen Schalterstellungen sorgen dafür, dass in jeder Körperzelle die passenden Erbanlagen aktiv sind; wäre dem nicht so, würde unser Organismus nicht funktionieren.
Andere Voreinstellungen scheinen flexibler und können sich dynamisch in Abhängigkeit von Umweltreizen ändern. Wer sich beispielsweise über längere Zeit kalorienreich ernährt oder im Gegenteil hungert, bei dem werden bestimmte epigenetische Schalter in den Fett- und Immunzellen umgelegt. Grundsätzlich sichert die epigenetische Anpassungsfähigkeit dem Organismus das Überleben.
Aber sie kann auch negative Auswirkungen haben: Traumata, chronischer Stress oder bestimmte Drogen können das Epigenom so verändern, dass sich dadurch möglicherweise die Anfälligkeit für Depressionen, Zwangserkrankungen oder eben eine Panikstörung erhöht. Diese These begann die Wissenschaftlerin bereits vor einigen Jahren durch Studien an Patienten mit einer Panikstörung zu untermauern.
Im Visier hatte ihr Team das Gen für die Monoaminoxidase A. Das Enzym abgekürzt: MAOA ist am Abbau bestimmter Hirnbotenstoffe beteiligt, etwa Serotonin, das unter anderem Angstzustände dämpft. Sinkt der Serotoninspiegel, kann es zu Panikattacken kommen. Domschkes Arbeitsgruppe schaute sich nun bei den Versuchspersonen ganz bestimmte Bereiche des MAOA -Gens genau an.
Üblicherweise »kleben« an diesen Stellen zahlreiche so genannte Methylreste chemische Formel: -CH 3. Diese fehlten bei den Erkrankten jedoch zum Teil. Wissenschaftler sprechen von einer Hypomethylierung »hypo« bedeutet »unter«, in diesem Fall also »unter dem Normalwert«. An diesen speziellen Genpositionen hat das Fehlen der Methylgruppen zur Folge, dass die betreffende Erbanlage leichter abgelesen werden kann.
Die Betroffenen bildeten also vermutlich mehr MAOA, mit der Folge eines Serotoninmangels, was wiederum die Panikstörung befördern könnte. Dabei war die Hypomethylierung umso stärker ausgeprägt, je mehr negative Lebensereignisse die Patientinnen in den vergangenen sechs Monaten durchgemacht hatten. In einer anderen Studie der Forscher absolvierten 28 Patientinnen zudem eine sechswöchige Verhaltenstherapie.
Bei knapp der Hälfte von ihnen verringerten sich die Symptome daraufhin deutlich. Nach der Behandlung unterschied sich ihr MAOA -Gen in epigenetischer Hinsicht nicht mehr von dem gesunder Frauen. Anders sah es dagegen bei den Patientinnen aus, die nicht auf die Behandlung angesprochen hatten: Bei ihnen blieb die schädliche epigenetische Schalterstellung bestehen.
Allerdings ist die Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt, vor allem auf Grund der geringen Fallzahl. Zwar haben auch andere Forscher beobachtet, dass eine erfolgreiche Psychotherapie mit epigenetischen Änderungen bei relevanten Genen für Angst-, Borderline- und Posttraumatischer Belastungsstörung einhergeht. AB0 System Lernen.
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