Leben und leben lassen psychologie
Und dassjeder Mensch zweifelt, improvisiert und eher voran stolpert als schreitet — doch vielleicht ist das gar nicht schlimm, sondern einfach nur menschlich. Ich kann keine richtigen Entscheidungen treffen — aber auch keine falschen. Klar, als ehemals hilflose Perfektionistin habe ich mich oft schwer damit getan, Entscheidungen zu treffen. Ich wollte immer möglichst alles bedenken, Szenarien im Kopf durchspielen und vorausschauend handeln.
Und zweitens bin ich nun mal nur eine Person mit einer Mini-Perspektive und einem Winzlings-Wissens- und Erfahrungsschatz, den ich zu Rate ziehen kann — und drei zusätzliche Gedankenschleifen ändern daran auch nichts! Seit mir das klar ist, entscheide ich schneller, pragmatischer, intuitiver, viel überzeugter, beherzter und mehr — und das hat mich schon um einiges klüger gemacht.
Ich habe nur ein einziges Leben Daraus folgen für mich unterschiedliche Dinge, zum Beispiel: Immer auf Krampf den geraden Weg zu gehen, nur weil er der nächstliegende und leichteste ist oder weil andere es von mir erwarten, empfinde ich irgendwie als "Thema verfehlt"!
Leben: Psychologie Heute
Das beginnt schon am Morgen. Stehe ich auf oder bleibe ich liegen? Nehme ich mir Zeit für das Frühstück oder stehe ich so spät auf, dass nur noch Zeit für eine Tasse Kaffee ist? Beginne ich den Tag schon mit Hektik und Stress , weil ich mal wieder nicht aus den Federn gekommen bin? Das setzt sich fort mit der Kleidung.
Trage ich, was mir gefällt, oder ziehe ich an, was gerade Mode ist? Trinke ich den mir angebotenen Schnaps, obwohl ich eigentlich keine scharfen Sachen mag? Esse ich, weil ich Hunger habe oder weil es gerade Essenszeit ist? Oder esse ich alles auf, weil man Nahrungsmittel nicht wegwerfen soll? Gehe ich auf Partys, weil diese angesagt sind, obwohl ich viel lieber etwas anderes tun würde?
Du siehst, es läuft alles immer darauf hinaus: Was will ich? Was möchte ich gerne tun? Je mehr wir uns von anderen Menschen oder eingebildeten Zwängen einschränken und bestimmen lassen und unseren eigenen Bedürfnissen zuwiderhandeln, umso unzufriedener werden wir mit der Zeit und umso mehr schaden wir uns. Ich habe folgende persönliche Erfahrung gemacht: Während meines Berufslebens habe ich eine gut bezahlte Stelle aufgegeben, um — meiner inneren Stimme folgend — für sechs Monate in die USA zu gehen.
Ich wollte dort studieren und mir Land und Leute anschauen. Meine Bekannten sagten: "Wie kann man nur so etwas Unvernünftiges tun? Wenn du zurückkommst, bekommst du keine Stelle mehr. Ich habe dort so viel gelernt und erfahren, was ich in Deutschland nie hätte lernen können. Zurückgekehrt machte ich mich selbstständig und begann einen neuen Lebensabschnitt.
Hätte ich damals auf all die ängstlichen Menschen gehört, die mir abzuraten versuchten, dann wäre ich heute wahrscheinlich nicht da, wo ich bin. Ganz sicherlich aber wäre ich heute nicht so zufrieden mit mir und meinem Leben. Ich würde vermutlich mein ganzes Leben der vertanen Chance nachtrauern. Ich wäre auf mich wütend, dass ich auf andere gehört hätte, und ich würde es denen übelnehmen, die mich davon abzuhalten versucht haben.
Aus Angst aber vor den Reaktionen unserer Mitmenschen und aus Angst zu scheitern , handeln wir trotz besseren Wissens "unklug", d. Seinen Weg zu gehen, ist sicher nicht immer einfach. Leben lassen? Ich habe oft das Gefühl, wir Deutschen sind mehr damit beschäftigt was andere machen, oder nicht machen, denken über uns und generell , wie sie sich kleiden oder welchen Hobbies sie haben, wie sie lachen oder gehen oder stehen oder ihr Glas halten oder in der U-Bahn beschäftigen — als mit uns selber.
Dabei könnte uns das alles so egal sein.
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Dass das in anderen Ländern anders ist, konnte ich erst wieder letztes Jahr in Kroatien beobachten. An sich wäre es ja gar nicht schlimm, wenn wir wissen was unsere Mitmenschen so treiben, wir uns für sie interessieren und es uns wichtig ist, wie es ihnen geht. Das Problem ist aber, dass dabei oft eine Spirale aus Bewertung, Erwartungen, Vergleichen und Emotionen ausgelöst wird, die am Ende dazu führen können dass Dinge, die uns eigentlich absolut nichts angehen, Kraft rauben — in dem wir uns ärgern oder vergleichen oder lästern oder schimpfen.
Karma freut sich da nicht so richtig. Weil diese Mechanismen bei uns aber so fest verankert sind, stecken wir mit drin. Machen eben mit, weil es ja irgendwie alle machen. Wenn man dann so Menschen trifft, die aus diesem Teufelsrad ausgestiegen sind, denen egal ist was andere denken, die einfach tun und lassen was sich für sie selber gut anfühlt, die in sich ruhen und zufrieden wirken, dann merken wir doch oft einen Unterschied zu uns selber.
Solche Menschen haben sich frei gemacht von den vielen kleinen Angewohnheiten, die unser Leben am Ende unnötig beschweren. Wie lange habe ich in Angst vor den Blicken anderer Menschen, vor dem Dauerfeuer an Bewertungen verbracht — und darüber hinaus vergessen, für mich zu leben. Ducken, klein machen, anpassen, nicht auffallen, keine Angriffsfläche bieten.
Zu meinen Hochzeiten hat das ganze bei mir sogar zu einer Sozialphobie geführt. Jeder Kontakt, jede Interaktion mit anderen Menschen wurde zur Tortur. Ich fühlte mich, als hätte ich einen riesigen Scheinwerfer über mir und war mir sicher, jede noch so kleine Regung meinerseits wird geradezu vor Gericht gestellt. Diese Angst hat mich gelähmt, über viele Jahre.
Besonders in meinem Studium war sie alltäglicher Begleiter — mit einer der Gründe, warum aus dieser Zeit quasi keine Freund- oder auch nur Bekanntschaften übrig geblieben sind. Die Pausen habe ich alleine verbracht, im Sommer im Englischen Garten, im Winter irgendwelche Ecken in der Uni gesucht. Besonders schlimm waren Seminare oder Gruppenarbeiten, bei denen man sich nicht so gut hinter einer Masse an Kommilitonen verstecken konnte.
Vieles, das meiste davon habe ich nur meistern können mit der Unterstützung durch Mr. Etwas zwischen den Zähnen? Sehen meine Haare komisch aus? Wenn ich heute nur dran denke, spüre ich gerade zu den puren Stress, der damals mein Alltag war. Ich war gefangen in diesem Käfig aus — am Ende — meinen eigenen Gedanken auf meine Umwelt, meine Mitmenschen bezogen.
Die Schlüssel zum Glück Nun hat es bei mir sicherlich nicht geholfen, dass da noch drei andere Krankheiten mit herum gemischt haben. Dass auch Menschen ohne Diagnosen an dieser Front kämpfen. Heute sehe ich, wie gefangen ich damals war, wie wenig frei. Wie fest eingespannt ich in all diesen Ängsten und Prozessen war, so dass mir keine Luft zum Bewegen blieb.
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Geschweige denn zum Leben. Und wie vielen anderen Menschen es so oder sehr ähnlich geht. Durch meine Angst kannte ich zwar wenig Namen meiner Mitstudenten, aber praktisch jedes Gesicht — kenne Deine Feinde, sage ich nur. Ich hab Dich noch nie gesehen! Für mich war es — im Nachhinein gesehen — eine Art Befreiung.
Nutzer, der sehr aktiv auf gutefrage ist im Thema Leben Weil jeder glaubt Recht zu haben. Jeder Mensch hat IMMER Recht. Von seinem Blickwinkel aus. Nimm an, Du hast 5 Menschen vor Dir, die alle unterschiedlich auf ein Problem reagieren. Einschliesslich Dir.