Spiritueller psychologe

Die Frage nach einem höheren Sinn des Lebens und nach dem speziellen Sinn unseres eigenen Lebens stellen wir uns meist erst bei kritischen Lebensereignissen, Verlusten, Schicksalsschlägen, in Krankheit und Not; oder aber bei chronisch gewordender Lebensunzufriedenheit. Können wir uns die Frage "Wozu das alles? Klassische vs. Während die Klassische Psychologie das menschliche Ich, die individuelle Persönlichkeit im Zusammenspiel mit seiner jeweiligen Umwelt zu verstehen und stärken sucht, bleibt sie Antworten auf tiefere Sinnfragen und transzendente Erfahrungsebenen oft schuldig.

Eine spirituell orientierte Psychologie integriert auch generelle, existentielle Fragen menschlichen Daseins - unabhängig von einer bestimmten religiösen Richtung. Diese Verbundenheit lässt sich auf der psychologischen Ebene sehr anschaulich in den bei Familien- oder Systemaufstellungen auftretendem Phänomen erfassen, bei dem fremde Menschen sog.

Religiosität und Spiritualität in der Psychotherapie: Fragen nach dem Sinn des Lebens

Stellvertreter Gefühle und Haltungen ihnen gänzlich unbekannter Personen spüren und wiedergeben können. Auch die Lehre der Archetypen von C. Jung befasst sich mit dem Phänomen der kollektiven Verbundenheit, dem "Kollektiven Unbewussten". Nicht zuletzt weisen die globalen Umweltveränderungen auf einer sehr physikalischen Ebene auf die Verbundenheit von 'allem was ist'.

Die Seele der ureigene Wesenskern als Kompass menschlicher Entwicklung. Die für mich wichtigste, therapeutisch nutzbare Erkenntnis der spirituellen Psychologie ist die, dass es im menschlichen Dasein allem voran darum geht, die eigene Bestimmung zu verwirklichen. Je mehr die Persönlichkeit im Einklang mit ihrer seelischen Bestimmung steht, desto mehr Frieden und Zufriedenheit hält im eigenen Leben Einzug.

Dabei ist immer zu beobachten: Je weiter ein Mensch in seelischer Hinsicht entwickelt ist, desto mehr strebt seine Seele der Selbstverwirklichung jenseits materieller Werte zu. Denn viele Menschen müssen überhaupt erst wieder lernen, zu fühlen und Gefühle erleben und aushalten zu können. Diese Methoden helfen, den Körper lebendig werden zu lassen und Verstrickungen aus der Vergangenheit zu lösen.

Denn wie soll ich mich in die Tiefe dieses gegenwärtigen Augenblicks hineinfallen lassen können, wenn meine ganzen inneren Energien noch im Kampf mit der Kindheit, Elternfiguren und mit mir selbst verbraucht werden?

Spirituelle Psychotherapie: Integrative Psychotherapie und Beratung

In vielen Therapien tauchen — sei es durch spontane spirituelle Erfahrungen, die integriert werden wollen, durch die immer häufiger auftretenden Nahtod-Erlebnisse, durch spirituelle Krisen oder durch andere existenzielle Erfahrungen — spirituelle Themen auf. Berichtet ein Klient nach einer spirituellen Erfahrung vom Erleben einer inneren Leere, dann wird der spirituell ungebildete Psychotherapeut nahezu zwangsläufig eine latente und verdrängte Depression diagnostizieren und ihn vielleicht sogar versuchen zu überreden, in eine Klinik zu gehen.

Dadurch werden diese bedeutenden und wichtigen existentiellen Erfahrungen banalisiert und das in ihnen liegende Wachstumspotenzial vergeudet. Das sind reale Erfahrungen, die Menschen, mit denen ich mich unterhalten konnte, mit Therapeuten gemacht haben. Aus diesem Grunde biete ich eine Fortbildung für Psychotherapeuten an, in der Methoden der tiefenpsychologischen und humanistischen Psychotherapie verbunden werden mit den Grundzügen spiritueller Begleitung.

Solche Fortbildungen sind überfällig angesichts der Tatsache, dass in einer Studie die Hälfte der Psychotherapeuten nicht in der Lage waren, eine spirituelle Krise zu diagnostizieren, dass Menschen mit einer Nahtoderfahrung von mehreren Therapeuten fehldiagnostiziert und falsch behandelt wurden und angesichts der Tatsache, dass spirituelle Erfahrungen immer häufiger auftreten.

Wohlgemerkt: Es geht nicht um die Ausbildung zum Psychotherapeuten, sondern eine Weiterbildung. Mit diesem Widerspruch befasst die Psychotherapeutenkammer sich inzwischen. Zur Ressource werden Religion und Spiritualität, wenn sie Hoffnung und Sinn vermitteln und wenn ein positives Gottesbild vorhanden ist.

Sie geben Patienten Copingstrategien an die Hand und tragen dazu bei, sich psychisch zu stabilisieren und sich mit existenziellen und spirituellen Fragen auseinanderzusetzen. Religion und Spiritualität wird häufig eine gesundheitsförderliche Wirkung zugeschrieben. Einige religiöse und spirituelle Interventionen haben durchaus nachweisbare Effekte.

Spiritualisierung

Sie wirken jedoch nicht immer und auch nicht allein, vor allem nicht bei ernsthaften psychischen Erkrankungen. Daher sollten sie lediglich als Ergänzung und Unterstützung einer Psychotherapie herangezogen werden. Die Einbeziehung der spirituellen und religiösen Dimension in die Psychotherapie ist ein Feld, das Fragen, Zweifel, Befürchtungen und Kritik hervorruft und an dem noch viel gearbeitet werden muss.

Beispielsweise ist zu fragen, ob religiöse oder spirituelle Interventionen evidenzbasiert und empirisch überprüfbar sein müssen. Zu befürchten ist, dass sich manche Patienten in religiöse und spirituelle Deutungsebenen flüchten, um sich Konflikten nicht stellen zu müssen. Wenn die Haltung zu Religionen und Spiritualität des Therapeuten nicht mit der des Patienten übereinstimmt oder wenn verschiedene Glaubensrichtungen aufeinandertreffen, besteht die Gefahr, dass es zu Missverständnissen kommt.

Der Psychotherapeut muss sich zudem die Frage stellen, ob er die Abstinenzregel verletzt, wenn er sich mit dem Glauben eines Patienten befasst und ihn in die Therapie einbezieht. Ein weiteres Problem ist die Übernahme von verschiedenen Funktionen und Rollen durch den Therapeuten. Religion und Spiritualität sind sehr bedeutsam im Leben vieler Patienten und mittlerweile auch einiger Psychotherapeuten.

Da sie die Werte, die Identität und das Glaubenssystem eines Patienten beeinflussen, nützt es dem therapeutischen Prozess und Arbeitsbündnis, wenn der Therapeut Kenntnis davon hat. Barnett empfiehlt Therapeuten daher, Patienten bereits in den ersten Sitzungen darauf anzusprechen und sich offen dafür zu zeigen, über die Bedeutung von Religion und Spiritualität in ihrem Leben und im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung zu sprechen.

Dadurch vermittelt der Therapeut den Patienten nicht nur, dass diese Themen angesprochen werden dürfen und relevant sind, sondern er kann die Gespräche auch nutzen, um mögliche Ressourcen des Patienten aus dem religiösen oder spirituellen Bereich ausfindig zu machen.

Spiritualisierung psychothera­peutischer Angebote

Die Verleugnung der Bedeutung des Körpers führt dazu, dass wir uns von der Genialität unserer Sinne, unserer Intuition, unserer Instinkte und unserer Fähigkeit, Traumata zu heilen, förmlich abschneiden. Heute wissen wir zum Glück, wie wichtig sowohl unsere Physiologie als auch unsere Psychologie für die Heilung sind, und wir können dies zusätzlich unterstützen indem wir eine spirituelle Praxis mit einbeziehen.

Verkörperung Wirkliche Transzendenz kann letztendlich nur dann geschehen, wenn wir uns erlauben unseren Körper mit all seinen Sinnen zu bewohnen, und wir beginnen, ihn mit seinem vollen Potenzial für Lebendigkeit auszuschöpfen, uns also voll und ganz der Inkarnation und damit der Verkörperung von 'Spirit' hingeben. Viele von uns müssen zuerst wieder lernen, den Körper zu spüren und ihm wieder zu vertrauen, zumal erlebte Verletzungen und Traumata dazu geführt haben, dass wir Signale vom Körper als nicht verlässlich oder gar als ver- störend und irreführend erleben.