Tillmann dressler psychologie

Curriculum Vitae. Tilman Schenk Gast mit Gastvereinbarung. Anthropogeographie work Leipzig Telefon: work Es wurden aber weitere Hinweise auf einen möglichen Effekt des facial feedback gefunden. Psychiatrische Studien überprüften etwa den Effekt von Botox, bekannt als Faltenglätter in der Schönheitsmedizin, zur Behandlung von Depression Wollmer et al. Der angenommene Wirkmechanismus ist, dass das injizierte Medikament die Gesichtsmuskeln, die für Stirnrunzeln als Ausdruck negativer Gedanken und Gefühle verantwortlich sind, vorübergehend lähme, und damit in Sinne der Bidirektionalität negative Gefühle weniger wahrscheinlich machen würde.

Tatsächlich konnte gezeigt werden, dass die botoxbehandelte Gruppe gegenüber einer Placebokontrollgruppe nach sechs Wochen deutlich weniger depressive Symptome aufwies. Auch wenn man die medikamentöse Depressionsbehandlung als Intervention insgesamt skeptisch betrachten mag, scheint es sich hier um einen Beleg für die facial feedback Hypothese des Embodiment zu handeln. Facial feedback: Ein Grund, warum wir beim Arbeiten auf dem Bleistift kauen?

Die hier beispielhaft genannten Embodimentbefunde im Individuum haben interessanterweise durchwegs auch einen Anteil am sozialen Embodiment: die soziale Version der facial feedback -Hypothese zeigt sich etwa an Phänomenen der Ansteckung durch Synchronie: wenn man frohe Gesichter sieht, steigt die Wahrscheinlichkeit, selbst fröhlich zu werden.

Auch etwa Gähnen und Lachen ist in diesem Sinne ansteckend. Der laugh track , in Sitcoms wie der "Big Bang Theory" das aus dem off künstlich eingespielte Gelächter nach jeder Pointe, dient eben dieser Erhöhung des Lustigkeitsempfindens der Zuschauer mit dem Mittel der Ansteckung. Eine Reihe von Studien wurde zur Beziehung zwischen Bewegungsmustern und Emotion durchgeführt.

Das Bio Motion Lab ist eine Forschungsgruppe um Prof. Troje, in der eine Computer-Simulation von Gehern entwickelt wurde [2]. Die "Geher" sind stark schematisiert dargestellte Strichmännchen am Bildschirm. Die Simulation erlaubt es, Stimmung und Nervosität des Gehers zu variieren und zeigt plausibel, wie psychische Variablen die Form des Gehens augenfällig verändern.

Zu diesen Zusammenhängen zwischen der Bewegungskoordination beim Gehen und der Stimmung wurden auch Studien mit Versuchspersonen durchgeführt. Versuchspersonen mit traurigem Gang erinnerten sich nach dem Experiment systematisch anders an eine vorher gelernte Liste mit Wörtern positiver oder negativer Valenz als Probanden der fröhlichen Gangart: Sie erinnerten sich besser an negative Inhalte als an positive Wörter.

Diese Art der Verzerrung des Gedächtnisses ist eines der Symptome von klinischen Depressionen. Die Studie suggeriert damit, dass das Übernehmen von bestimmten Gangmustern zugeordnete Gefühlsmuster erzeugen kann. Es scheint also, wieder in Übereinstimmung mit der Bidirektionalität zwischen Psyche und Körper, dass sich die Stimmung nicht nur in der Bewegungsweise ausdrückt, sondern auch die Bewegungsweise die Stimmung beeinflusst.

Aus Laborstudien kann abgeleitet werden, welche Aspekte des Gehens mit der Stimmung zusammenhängen. Man fand so, dass depressive Stimmung korreliert war mit langsameren Bewegungen, weniger vertikaler Dynamik des Körpers, stärkerem lateralen Schwanken und einer gebeugten Haltung des Oberkörpers Michalak et al. In einer kürzlich durchgeführten Studie mit einem sogenannten Experience Sampling Design wurde untersucht, ob diese Befunde sich auch in der alltäglichen Umgebung nachweisen lassen Adolph et al.

Hierzu wurde eine Gruppe von depressiven Patienten und eine parallelisierte Kontrollgruppe gesunder Versuchspersonen gebeten, im Alltag während zwei Tagen in stündlichen Abständen Kurzfragebögen zur Befindlichkeit auszufüllen. Ausserdem trugen die Versuchspersonen kleine Bewegungssensoren am Körper, die ihre Körperbewegungen aufzeichneten.

Es wurden nur die Zeiten berücksichtigt, zu den die Versuchsteilnehmer tatsächlich mit Gehen beschäftigt waren. Die Daten bestätigten, dass depressive Versuchsteilnehmer weniger schnell gingen, eine mehr gebeugte Haltung beim Gehen einnahmen und weniger federnde, vertikale Bewegungen aufwiesen. Das verstärkte seitliche Schwanken konnte nicht repliziert werden, was vielleicht daran lag, dass im Labor die Aufgabe war, entlang einer geraden Linie zu gehen, während exakt geradliniges Gehen im Alltag weniger vorkommt.

Auch im Kontext mit Bewegungsmustern wie dem Gehen findet man eine soziale Erweiterung des Embodiments. Synchronie der Gangmuster entsteht oft spontan, wenn ein Paar oder eine Gruppe von Personen gemeinsam geht. Beim gemeinsamen Gehen ist die Gehgeschwindigkeit identisch; jedoch gleichen sich die Personen auch hinsichtlich der Schrittlänge und -frequenz aneinander an.

Prof. Dr. Uwe P. Kanning | Hochschule Osnabrück

Solches "Im-Takt-Gehen" ist bekanntlich ein Ziel militärischen Drills und wird bei Paraden zur Schau gestellt. Aus Embodiment-Perspektive mag der Sinn solcher Synchronisationen darin liegen, dass Synchronie, wie bereits mehrfach erwähnt, die Verbundenheit und Beziehungen der synchronisierten Personen widerspiegelt und auch fördert, was sicher ein Interesse der militärischen Kommandoebene ist.

Abgesehen von militärischen Extremen finden sich Synchronien des Gehens in allen Bereichen. Ein interessantes Phänomen zeigte sich bei der Eröffnung der "Millenium Bridge" in London. Kurz nach ihrer Eröffnung im Jahr musste diese Fussgängerbrücke, berühmt für filigrane Architektur, wieder geschlossen werden, weil sie in bedrohliche Schwingungen geraten war Strogatz et al.

Der Grund war, dass sich Gruppen von Fussgängern auf der Brücke miteinander unwillkürlich synchronisierten, auch wenn sie einander gar nicht kannten, und dadurch das Bauwerk unwillentlich in Resonanz versetzten. Erst hinzugefügte bauliche Verstärkungen behoben das Problem. Soziale Synchronie der Körperbewegungen ist ein Kernelement zahlreicher öffentlicher Rituale religiöse Zeremonien, Gottesdienste, politische Gipfeltreffen bis hin zu privaten Festen und Tanzveranstaltungen.

Tanz etwa kann als Ritual verstanden werden, da er stets Regeln unterliegt, die die Koordination der Tanzenden herbeiführt. Warum tanzen Menschen überhaupt, wenn die Tanzbewegung keinem offensichtlichen Ziel dient? Die Psychologie nennt eine Reihe positiver Effekte, die beim Tanzen entstehen.

Tanz ist etwa eine Tätigkeit, die individuell "flow" erzeugt Csikszentmihalyi , einen befriedigenden Zustand des Einsseins mit einer Tätigkeit. Wir haben in diesem Artikel dargestellt, worauf nach unserer Ansicht die Embodimentperspektive in den Humanwissenschaften gegründet ist. Es handelt sich um eine umfassende Neuorientierung, die in Abkehr vom computationalen Modell der "Computermetapher" des Geistes und der Vorstellung von Kognition als ausschliesslich formale Informationsverarbeitung die wechselseitigen Bezüge zwischen Geist und Körper betont.

Embodiment ist eine Position, die mit reduktionistischen Auffassungen zum Leib-Seele-Problem nicht vereinbar ist. Den Embodiment-Ansatz stützen eine wachsende Zahl von empirischen Befunden der Psychologie und der Interaktionsforschung. Kognition basiere zudem auf sensorisch-motorischen Schleifen E nactive , also nicht auf der passiven Aufnahme von Informationen, sondern der dynamischen Wechselwirkung eines Lebewesens mit seiner Umwelt.

Kognition sei weiterhin situiert und eingebettet E mbedded , also eingefügt in Umweltkontext, Kultur und die aktuelle Situation. Alle vom Embodiment-Ansatz beschriebenen Zusammenhänge sind als bidirektional gedacht, sie werden in Abbildung 3 als Kreise dargestellt. Die facial feedback -Hypothese, die vielgestaltigen Formen von nonverbaler Synchronisation zwischen Individuen weisen auf die enge Koppelung zwischen Kognition und Körper hin.

Es gibt zahlreiche empirische Belege dafür, dass diese Kopplungen wechselseitig sind, also Kognition den Körper beeinflusst und umgekehrt. Die Spiegelneuronenforschung hat gezeigt, dass Netzwerke von Neuronen im Gehirn oft mehrere Funktionen haben. Diese Neuronen sind also doppelt aktivierbar, sie sind multifunktional, da sowohl motorisch wie auch sensorisch ansprechbar. Man erkennt darin ein mögliches Hickok neuronales Korrelat von sozialem Embodiment und Empathie: der Körper des anderen wird vom Gehirn analog zum eigenen Körper behandelt, was gut zu den psychologischen Befunden der interpersonalen Synchronie und zum facial feedback passen würde.

Eine solche enaktive Multifunktionalität des neuronalen Systems bezieht sich nicht nur auf soziale Wahrnehmung, sondern auch auf jede individuelle Handlung Friston Eine willentliche Handlung wird zunächst neuronal geplant durch die Generierung eines Modells, das den motorischen Plan als Funktion des Handlungsziels und der Umgebungsbeschaffenheit erstellt also: welche Aktivierung ist nötig, um das Ziel zu realisieren?

Sobald dieser Plan festgelegt ist, wird im Gehirn ein zweites Modell berechnet: die Efferenzkopie des motorischen Plans wird als forward model benutzt, das dem Handelnden Vorhersagen erlaubt, welche Sinneseindrücke zu erwarten sind, sobald die motorische Handlung des Modells tatsächlich ausgeführt wird. Diese Vorhersagen werden dann während der Handlung mit den einlaufenden tatsächlichen Sinneseindrücken verglichen, wobei jegliche Diskrepanz prediction error bedeutsam wird.

Enaktive Handlung bedeutet, dass Diskrepanzen korrigiert werden, noch während die Handlung ausgeführt wird. Motorik heisst neuronal also nicht einfach, dass ein motorischer Plan absolviert wird, sondern dass ein andauernder Abgleich zwischen Vorhersage, Erwartung und Sinneswahrnehmung stattfindet.

Kognition und Wahrnehmung erzeugen nicht einfach ein Abbild oder eine Repräsentation von Umwelt, sondern sie entstehen in der Einbettung in die Umwelt. Mit dem entstehenden kognitiven Muster und den daraus sich ergebenden Handlungsmöglichkeiten wird das "Angebot" realisiert und damit abgebaut. Man erkennt hier die Übereinstimmung mit den unter 2 als enaktiv bezeichneten Prozessen, bei denen es darum geht, Diskrepanzen durch predictive coding zu reduzieren.

Ein offensichtliches Beispiel ist die Nutzung von Maschinen: ein Mensch-Computer-System denkt anders und effizienter als ein Mensch allein ohne Hilfsmittel. Eine Wochenplanung gelingt besser, wenn ich mit einem Terminkalender arbeite und die Optionen optisch vor mir sehe. Die Funktionsweise des Gedächtnisses und der Kognition allgemein profitiert also von Umgebungsreizen, weswegen die meisten Menschen im Büro effektiver arbeiten als zuhause im Wohnzimmer.

Allerdings wird wieder deutlich, dass man diese Auslagerung kognitiver Prozesse in die Umwelt auch mit dem Affordanzbegriff wie unter 3 fassen kann. Die Embodiment-Perspektive wurde in den vergangenen Jahren wichtig in der Psychologie und zunehmend auch in den Geisteswissenschaften, was eine Neuorientierung bewirkte und zu einer grossen Zahl von empirischen Studien und neuen Konzepten geführt hat.

Dasselbe gilt auch für die kognitive Neurowissenschaft, denn die reziproke Beziehung zwischen Körper und Geist bildet sich auch in der Konnektivität des Gehirns ab. Gemäss der Integrativen Neurowissenschaft Kotchoubey et al. Wahrnehmung ist nach dieser modernen neurowissenschaftlichen Theorie des Enaktivismus keine passive Repräsentation sensorischer Reize.

Stattdessen werden in jeder Wahrnehmung fortlaufend Hypothesen was müsste jetzt wahrzunehmen sein? Wahrnehmung ist damit Informationsverarbeitung basierend auf den Prinzipien der verkörperten Kognition. Die Embodiment-Perspektive erweitert bestehende Paradigmen der Psychologie und der Geisteswissenschaften. Nach Entscheidung für Kirchenaustritt - nur wenige nehmen Seelsorger-Gespräche wahr.

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Judith Dreßler

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