Personenerkennung psychologie
Allerdings ist die Fähigkeit, sich Gesichter zu merken, nicht bei allen Menschen gleich gut : Einige sind gesichtsblind und erkennen selbst das Gesicht ihrer Eltern nicht, andere vergessen ein einmal gesehenes Gesicht nie mehr — sie sind sogenannte Super Recogniser. Doch was steckt hinter dem absoluten Gesichtsgedächtnis der Super-Recogniser? Klar scheint, dass diese Fähigkeit nichts mit Training oder einem allgemein fotografischen Gedächtnis zu tun hat: Wer sich an jedes Gesicht erinnert, kann ansonsten ein völlig durchschnittliches visuelles Gedächtnis haben.
Eine der offenen Fragen ist dabei, ob Super-Recogniser neue Gesichter als eine Einheit — ähnlich einem Schnappschuss — wahrnehmen und sich merken oder ob sie die Merkmale einzeln analysieren und abspeichern. Dabei trugen sie jedoch eine spezielle Messbrille, die je nach Versuchsdurchgang entweder den Blick auf das gesamte Gesicht freigab oder aber das Sichtfeld auf fünf bis 25 Prozent einschränkte.
Dadurch mussten die Teilnehmenden die einzelnen Gesichtsbereiche nacheinander abtasten. Denn auch für den Wiederkennungstest trugen die Testpersonen die Brillen mit verschieden starken Sehfeldbeschränkungen. Gleichzeitig enthüllte das Experiment, dass die Super-Recogniser ein Gesicht auch anders abtasten als Menschen mit durchschnittlicher Gesichtserkennung: Ihr Blick konzentriert sich weniger stark auf die Augenpartie, stattdessen tasten sie auch andere Teile des Gesichts intensiver ab als normalerweise üblich.
Denn ähnlich wie alle anderen Menschen auch erstellt ihr Gehirn offenbar keinen fotografischen Schnappschuss eines Gesichts, sondern merkt sich charakteristische Gesichtszüge und Merkmale. Aber auch am anderen Ende der Skala, bei Menschen mit Gesichtsblindheit, finden sich ganz ähnliche Abweichungen, wie das Team erklärt.
Woher kommt Sie? Prosopagnosie bei Kindern Prosopagnosie im Alltag Was kann ich tun, wenn ich Prosopagnosie habe? Test zur Gesichterwahrnehmung in Abgrenzung zur Prosopagnosie. Sie finden uns IB Ebene 6, Raum Postfach 21 E-Mail:. SERVICES Letzte Änderung: Offenbar färben vorangegangene Erfahrungen das Bild eines Menschen, das man sieht, ins Positive Carr et al.
Institut für Kognitive Neurowissenschaft
Das menschliche Bewusstsein fällt in wenigen Augenblicken ein Urteil darüber, ob einem Menschen zu Gesicht stehen oder nicht, das vor allem dann, wenn man auf unbekannte Menschen trifft. Dabei werden wohl evolutionär bedingt nach Abir et al. Alle anderen Menschen werden in diesem Prozess mehr oder minder übersehen. In Experimenten zeigte man Proobanden in rascher Folge fortlaufend abwechselnd Bilder von geometrischen Figuren oder Gesichter.
Die Teilnehmer mussten bei dem Versuch eine Taste drücken, wenn sie ein menschliches Gesicht erkannten. In einer Untersuchung zeigte sich übrigens, dass Menschen Fotos unvollständiger Gesichter attraktiver bewerten als solche, die ein ganzes Gesicht zeigen, denn die fehlenden Gesichtspartien wecken wohl die Fantasie der Betrachter und werden offenbar zu einer idealisierten Version des Abgebildeten zusammengefügt.
Diese idealisierende Füllung von Lücken gilt vermutlich nur in Bezug auf menschliche Gesichter, denn bei Fotos von Blumen, Landschaften oder von Hunden ergab sich kein vergleichbarer Effekt. Offenbar werden Reize nur dann mit wohlwollendem Vorschuss bewertet werden, wenn diese menschliche Assoziationen wecken. Ähnlich positive Verzerrungen menschlicher Kognition richten sich übrigens auch auf das Selbst, denn so halten sich die meisten Menschen für freundlicher, ernsthafter oder warmherziger als der Durchschnitt.
Psychologie: Warum wirken breite Gesichter aggressiver?
Experimente zum Schlafmangel haben gezeigt, dass dieser das Gedächtnis beeinträchtigt und dadurch etwa bei Augenzeugen falsche Erinnerungen fördert. Ein Experiment von Beattie et al. In diesem Versuch sahen ausgeschlafenen oder unter Schlafmangel leidende Probanden jeweils zwei Portraitfotos gleichzeitig, die entweder die gleiche Person mit etwas anderer Mimik oder Perspektive oder aber zwei verschiedenen Personen darstellten, die sich nur ähnlich sahen, wobei die Probanden angeben mussten, ob es sich um dieselbe Person handelt oder nicht.
Probanden mit Schlafmangel schnitten bei dabei schlechter ab, wobei die Unausgeschlafenen besonders häufig falsch-positiv tippten und Bilder einander nur ähnlicher Personen irrtümlich für Portraits desselben Menschen hielten. Das belegt, dass die negativen Effekte des Schlafmangels auf die Gesichtserkennung nicht allein auf ein beeinträchtigtes Gedächtnis zurückgehen, sondern vermutlich gibt es auch Defizite im der Verarbeitung von Wahrnehmungen.
Der Schlafmangel bewirkte übrigens auch deutliche Unterschiede in der Selbsteinschätzung der Probanden, denn diejenigen, die unter Schlafmangel litten, waren zuversichtlicher, mit ihren Urteilen richtig zu liegen als die Ausgeschlafenen, obwohl es sich genau umgekehrt verhielt. Übrigens aktiviert das Gehirn von Autofans beim Betrachten von Fahrzeugen dieselbe Region im Gehirn Fusiform Face Area , die auch für das Erkennen von Gesichtern zuständig ist.
Bekanntlich erleben schon Kinder die Frontpartien von Autos als Gesichter, wobei für sie manche freundlich, manche eher grimmig dreinblicken. Auch können manche Menschen sofort Marke und Modell eines Fahrzeugs bestimmen, sodass Forscher nach der jenem Gehirnareal suchten, die für diese Art von Spezialwissen zuständig sein könnte. In einem Versuch präsentierte man männlichen Probanden, die in einem Gehirnscanner lagen, auf einem Bildschirm je eine halbe Sekunde lang zwei Autos aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei für jedes der achtzig Autopaare beurteilt werden sollte, ob es sich um dasselbe Modell handelte.
Dabei zeigte sich, dass nicht die Sehareale des Gehirns für die richtige Entscheidung verantwortlich waren sondern das Stirnhirn, das die Sinneseindrücke danach interpretiert. Offenbar entstehen solche Spezialkenntnisse im Gehirn erst auf einer höheren Verarbeitungsebene. Schon vor etlichen Jahren ist entdeckt worden, dass bei Menschen, die gut zwischen verschiedenen Autotypen unterscheiden können, das fusiforme Gesichtsareal besonders aktiv ist, also jenes Areal im Schläfenlappen, das für die Gesichtserkennung zuständig ist.
Jedoch stellte man auch fest, dass bei Autokennern das Gesichtsareal auch dann beim Anblick von Fahrzeugen aktiv ist, wenn diese Fahrzeug lediglich von der Seite oder von hinten zu sehen bekamen. Daher konnte es nicht daran liegen, dass die Front eines Autos an ein Gesicht erinnert. Dieses Gesichtsareal ist also nicht allein für die Gesichtserkennung zuständig , sondern es ist vermutlich nur darauf spezialisiert, ganz grundsätzlich zwischen ähnlichen Objekten einer Kategorie zu unterscheiden, gleichgültig, ob es sich um verschiedene Gesichter oder verschiedene Fahrzeuge handelt.
Um die Wahrnehmung für eine Kategorie von Objekten derart zu schulen, genügen Studien zufolge schon acht bis zehn Stunden Training, denn dann springt die Spezialeinheit für Gesichter auch auf Autos an. Allerdings benötigen Menschen mit Autoexpertise überdurchschnittlich lange, um im Umfeld von Autos auch Gesichter zu entdecken, denn offenbar beanspruchen Fahrzeuge dieselben Ressourcen im Gehirn, die für Gesichter reserviert sind.
Eine Studie zur Psychologie von bekannten Marken belegte zusätzlich, dass deren Wahrnehmung ähnlichen psychologischen Mechanismen folgt, wie die Wahrnehmung von menschlichen Gesichtern. Dabei verglich man die Reaktionen auf Marken wie Coca Cola, Rolex, Porsche oder Apple und auf computergenerierte Gesichter, wobei die Probanden beide Motive nach Kategorien wie Vertrauenswürdigkeit, Fürsorglichkeit, Stärke oder Durchsetzungsvermögen beurteilen sollten.
Physiognomie: Was kann Gesichtserkennung aus dem Gesicht lesen?: Spektrum der Wissenschaft
Viele Menschen kennen das Phänomen, dass sie sich leicht an ein Gesicht eines Menschen erinnern, den sie vor langer Zeit gesehen haben, aber nicht mehr den Namen finden. Das liegt daran, dass das menschliche Gedächtnis für die Gesichtserkennung prädestiniert ist. Wenn Menschen jemanden in einer Menschenmenge suchen, schauen sie in viele Gesichter, bevor sie das gesuchte Gesicht entdecken.
In einer Untersuchung Kaunitz et al. Danach wurde erhoben, an welche Gesichter sich die Probanden erinnerten und wie sicher sie sich ihrer Erinnerung waren. Dabei zeigte sich, dass die Probanden bis zu sieben der fremden Gesichter wiedererkannten, die sie bei ihrer Suche nach der Zielperson angeblickt hatten, obwohl sie während der Suche nicht wussten, dass sie später nach diesen befragt würden.
Auch waren sich die Testpersonen ihrer Sache sehr sicher, was belegt, dass sie sich tatsächlich bewusst an die gesehenen Personen in der Menschenmenge erinnerten. Eine Studie von Vidal et al. Erste menschliche Schriftsprachen haben sich erst vor rund fünftausend Jahren entwickelt, sodass dieser Zeitraum evolutionsgeschichtlich viel zu kurz ist, als dass sich das menschliche Gehirn an diese Herausforderung hätte anpassen können.
Anders als in klassischen Studien zu dieser Thematik verwendete man als Stimuli nicht buchstabenartige Zeichen, sondern geometrische Gebilde und Gitterformen. Wenn nämlich das Lesen auf allgemeinen visuellen Mechanismen beruht, sollten einige Effekte, die auftreten, wenn man es mit orthografischen Zeichen zu tun hat, auchdann auftreten, wenn man mit nicht-orthografischen Stimuli konfrontiert ist.
In der Studie machten sich die Probanden zunächst mit kurzen Wörtern vertraut, die jeweils aus drei buchstabenähnlichen Zeichen bestanden, wobei die Zeichen zwar einer Schrift ähnelten doch keine Bedeutung hatten. Danach wurden bekannte und neue Kombinationen dieser Pseudobuchstaben präsentiert und die Probanden sollten angeben, welche der Wörter richtig und welche falsch waren.
Die Teilnehmer lernten dabei, Wörter in dieser künstlichen Sprache daran zu erkennen, wie häufig bestimmte Teile zusammen auftraten, und identifizierten Wörter, die aus häufigeren Paaren von Pseudobuchstaben bestanden, leichter als korrekt. Auch bei Wiederholungen der Versuche mit dreidimensionalen Objekten und verschiedenen Gitterforme konnten die Probanden passende und unpassende Stimuli voneinander unterscheiden.
Eine Studie Dilks et al. Eine solche Spezialisierung kannte man bisher nur von Primaten, und auch bei Schafen fand man einzelne Neuronen, die verstärkt auf Gesichter reagierten. Dadurch hat sich die Gesichtserkennungs-Leistung deutlich verschlechtert und verlangsamt", erklärt Prof. Michael Wibral vom Brain Imaging Center der Goethe-Universität. Was passiert in diesem Fall im Gehirn?
Eine aktuelle Theorie, die "Predictive Coding"-Theorie, besagt, dass Signale nur zur Verarbeitung in höhere Hirnregionen gesendet werden müssen, wenn Vorhersagen nicht erfüllt sind. Es müssten also verstärkte Signale in Richtung höherer Hirnregionen auftreten. Es gibt jedoch auch konkurrierende Theorien, die genau das Gegenteil vorhersagen. Ein direkter Test der Theorie wurde erst kürzlich möglich, als Frankfurter Wissenschaftler vom Strüngmann-Institut entdeckten, dass Hirnwellen mit etwa 90 Schwingungen pro Sekunde bevorzugt auftreten, wenn höhere Areale des Gehirns adressiert werden.