Psychologie satanismus
In derselben Facharbeit wird auch von der Möglichkeit gesprochen, «vorgeburtlich absichtlich eine dissoziative Identitätsstruktur mit verschiedenen, voneinander abgespaltenen Persönlichkeiten» zu erzeugen. Beweise dafür gibt es einmal mehr keine. Im Gespräch relativiert Gysi seine Position etwas. Seinen Leitfaden für Strafverfolgung, Opferschutz, Opferhilfe und Therapie mit dem Titel «Organisierte sexualisierte Ausbeutung» habe er vom Netz genommen, weil der Text eine Überarbeitung nötig habe.
Aber dass Mind-Control angewendet werde, davon ist er überzeugt. In einem Aufruf suchte Gysi selber nach Beweisen, zum Beispiel nach Anleitungen oder Videos. In den Grundzügen — geheime Gruppen, die noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat, steuern aus der Ferne Menschen — trägt der Vorgang die Merkmale einer Verschwörungstheorie. Der forensische Psychiater und ehemalige Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich, Frank Urbaniok, sagt dazu: «Wenn man etwas glaubt, wofür es keinen Beleg gibt, dann entzieht man sich jeder Realitätskontrolle.
Am Anfang stehe der feste Glaube: Die Organisationen würden ihre Opfer so geschickt fernsteuern, dass nichts ans Tageslicht komme. Das ist ein geschlossener Kreis. Welches Leid die Idee von Mind-Control verursachen kann, wenn sie in der Therapie angewandt wird, zeigen Beispiele im jüngsten Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens. Eine Frau, deren Tochter früher in Littenheid in Behandlung war, berichtet, dass diese Ängste und Paranoia gehabt habe, in der Nacht von Tätern abgeholt zu werden.
In Littenheid sei es ihr richtig schlecht gegangen: Sie habe sich selber verletzt, einen Suizidversuch begangen und sei psychotisch geworden. Eine andere Frau, die selbst in Littenheid in Behandlung war, beschreibt gegenüber dem Journalisten, wie sie während der Therapie komplett von der Familie isoliert worden sei, um den angeblichen Täterkontakt abzubrechen.
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Schliesslich erzählt eine ehemalige Patientin, die nicht in Littenheid war, sie sei während eines Klinikaufenthaltes ans Bett fixiert worden, um vor unbekannten Tätergruppen geschützt zu werden. Warum hat sich die Auseinandersetzung um Mind-Control, rituelle Gewalt und wiedererlangte Erinnerungen über die Jahre nicht entspannt? Hätten neue Forschungsresultate uns der Wahrheit nicht näherbringen müssen?
Wie bei vielen Entwicklungen dürfte auch hier das Internet eine Rolle spielen. Wer surft, braucht heute keine suggestive Therapie mehr, um auf seltsame Ideen zu kommen. Youtube-Videos über rituellen satanistischen Missbrauch werden hunderttausendfach angeklickt, haltlose Berichte über unmögliche Ereignisse verbreiten sich über Social Media wie eine ansteckende Krankheit.
Bei der Selbstdiagnose helfen das Habe-ich-unterdrückte-Erinnerungen-Quiz oder der Dissoziative-Identitätsstörungs-Test. Einen anderen Grund für die anhaltende Kontroverse vermutet der Gerichtspsychologe Henry Otgaar gerade in der Tatsache, dass Traumata heute ernst genommen werden. Nach Jahrhunderten der Verharmlosung und Verleugnung sexueller Gewalt ist diese zu einem grossen gesellschaftlichen Thema geworden.
Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass man Menschen erst einmal glaubte, wenn sie einen sexuellen Übergriff meldeten. Der Anteil von Falschanzeigen ist marginal. Wenn es aber um unterdrückte Erinnerungen geht, die während Therapien wiedererlangt werden, sieht es anders aus. Über ihren Wahrheitsgehalt lässt sich nichts sagen. Sie können wahr sein, teilweise wahr oder ganz falsch.
Erinnerungen an sexuellen Missbrauch infrage zu stellen, ist aber auch bei wiedererlangten Erinnerungen tabu. Das Credo lautet: Dem vermuteten Opfer muss unter allen Umständen geglaubt werden. Schon leise Zweifel sind Verrat. Diese Haltung zeigte sich auch, als eine NZZ-Journalistin im Herbst einen Artikel über das Buch «Das Schweigen brechen» von Gisela Föllmi verfassen wollte.
Föllmi beschreibt darin, wie sie mit 43 Jahren nach einem Suizidversuch in eine Therapie ging. Dort habe sie die Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater wiedererlangt. Wer das Buch liest, zweifelt nicht daran, dass Föllmi eine schreckliche Kindheit und Jugend erlebt haben muss. Trotzdem sah es die Journalistin als ihre Pflicht an, in ihrem geplanten Artikel zu erwähnen, dass wiedererlangte Erinnerungen auch falsch sein können.
Darauf zogen Föllmi und die anderen Involvierten aufseiten des Verlages alle ihre Aussagen zurück. Die blosse Erwähnung des wissenschaftlichen Konsenses — es gibt keine Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt wiedererlangter Erinnerungen zu überprüfen — empfanden sie als Affront. Im Vorwort klärt Föllmis Therapeutin Nahid Katla die Leserinnen und Leser nicht über die mögliche Unzuverlässigkeit der Erinnerung auf.
Stattdessen stellt sie die These, dass die Betroffenen «nicht selten» keine bewusste Erinnerung an die traumatischen Erlebnisse haben, als unumstrittene Tatsache dar. Katla wollte für diesen Artikel keine Fragen beantworten. Im Buch schreibt sie, sie habe Gisela Föllmi kennengelernt, als sie nach dem Suizidversuch Hilfe in einer psychiatrischen Klinik suchte.
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Es war dasselbe Jahr, in dem Katla für die Clienia Littenheid zu arbeiten begann. Der Anwalt des Verlags schreibt im Nachwort des Buches darüber, wie es Gisela Föllmi gelungen sei, «ihre Lebensgeschichte in den angebracht drastischen Worten präzise aus dem Dunkel herauszubrechen». Auch hier kein Hinweis auf die wissenschaftlich dutzendfach erbrachte Erkenntnis, dass präzise Worte und Detailgenauigkeit keine Hinweise darauf sind, ob eine Erinnerung wahr ist.
Genauso wenig wie die emotionalen Ausbrüche, die Föllmi bei der Niederschrift erlebt hatte. Gisela Föllmis Schilderungen haben nichts mit satanistischen Ritualen zu tun. Sie sind durchaus plausibel. In dieser Hinsicht sind sie glaubwürdiger als die Erzählungen von Cornelia Widmers Tochter. Ein oft gehörtes Argument für den Wahrheitsgehalt einer Schilderung lautet: «Warum sollte jemand eine solche Geschichte erfinden?
Niemand behauptet, Gisela Föllmi habe etwas erfunden. Sie dürfte der festen Überzeugung sein, dass sich alles so zugetragen hat, wie es in ihren wiedererlangten Erinnerungen über sie hereinbrach. Und vielleicht war auch alles so, bloss kann das niemand wissen. Das ist für alle Beteiligten unbefriedigend: für Föllmi selbst, der Misstrauen entgegenschlägt, für Therapeuten, die sich von Gewissheiten verabschieden müssen, für Strafverfolgungsbehörden, deren Arbeit dadurch erschwert wird.
Therapie und Rechtsstaat sind zwei Welten, in denen unterschiedliche Regeln gelten. In der einen befürchtet man vor allem, ein Missbrauch könnte unentdeckt bleiben, in der anderen, Unschuldige könnten hinter Gitter landen. Das Leiden von Gisela Föllmi und vielen anderen Patientinnen ist real. Ob alle ihre erinnerten Episoden der Wahrheit entsprechen, spielt deshalb für viele Therapeuten keine Rolle.
Geht es doch meist um vulnerable Personen, die tatsächlich Schlimmes erfahren haben oder aus einem anderen Grund an einer psychischen Krankheit leiden. Doch sobald nach Jahrzehnten wiedererlangte Erinnerungen an einen Missbrauch den Raum der Therapie verlassen und an die Öffentlichkeit gelangen oder zu einem Prozess führen, leiden nicht mehr nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Beschuldigten.
Dann können Erinnerungen Existenzen vernichten. Dann ist noch entscheidender, ob sie wahr sind oder nicht. Die Tochter von Cornelia Widmer beschäftigt sich auch als Erwachsene immer noch intensiv mit ihrer Diagnose. Als Maturaarbeit verfasste sie einen Selbsthilferatgeber für Betroffene dissoziativer Identitätsstörungen. Darin legt sie ihre eigene Geschichte offen und beschuldigt wieder ihren Vater.
Cornelia Widmer vermutet, es gehe ihrer Tochter nicht gut. Die Eltern versuchten immer wieder, zu ihr eine Beziehung aufzubauen — bisher vergeblich. Haben Sie Hinweise zu diesem Thema? Sie erreichen die Autoren unter reto. Menü Startseite. Der Glaube an satanistischen Missbrauch breitet sich in der Schweiz aus. Reto U. Schneider; Aline Wanner Können sich Menschen in verschiedene Identitäten spalten und Erinnerungen über Jahrzehnte vergessen?
Darüber streitet die Fachwelt. Passend zum Artikel. Elizabeth Loftus gilt als eine der wichtigsten Psychologinnen des Vor Gericht sagt sie immer wieder für Männer wie Michael Jackson, Bill Cosby oder Harvey Weinstein aus, denen Sexualdelikte vorgeworfen werden. Schneider Sexueller Missbrauch: Dürfen Journalisten Opferberichte infrage stellen? Eine Frau erinnert sich nach vierzig Jahren an einen jahrelangen schwersten sexuellen Missbrauch als Kind.
Medien verbreiten ihre Geschichte unhinterfragt weiter. Dabei können Erinnerungen trügerisch sein. Birgit Schmid Wann sind Verschwörungstheorien und Propaganda erfolgreich? Wenn sie latente Animositäten und Sorgen einer Gruppe ansprechen. ISBN: X Zustand: gebraucht; sehr gut.
Satanismus (Psychologie, Psychiatrie, Psyche)
Der Böse ist unter uns - Satanismus und Okkultismus - die verschwiegene Realität Jaeger, Hartmut; Pletsch, Joachim Christliche Verlagsgesellschaft , , Taschenbuch ISBN: X Zustand: wie neu. Der Böse ist unter uns: Satanismus und Okkultismus - die verschwiegene Realität Christliche Verlagsgesellschaft , Jugend-Okkultismus : Zwischen Satanismus, Esoterik und Parapsychologie.
Unter Mitarb. Ralph Heiler, Christoph Reuter u. Ein 'Psychologie heute'-Buch Hunfeld, Frauke; Dreger, Thomas Garching Hochbrück, Germany: Heyne Verlagsauslieferung, , , Softcover ISBN: Okkultismus und Christentum? Informationen und Orientierungshilfen zum Spiritismus und Satanismus. Hermann Schulze-Berndt Nettetal, Steyler Verl.
Wort und Werk , Das Naheliegendste wäre, Kontakt mit Klient und Therapeut aufzunehmen. Leider ist dieser Zugang aber oft verbaut, da die Eltern bereits als Täter gebrandmarkt sind. Der Vorgesetzte der Ärzteschaft ist der Kantonsarzt, er könnte den betreffenden Kollegen - allenfalls vertraulich - zur Ordnung rufen. In der Realität können solche Konflikte aber häufig erst mit einem Gutachten geklärt werden.
Braucht es für Psychotherapien eine stärkere Aufsicht? Wenn eine Psychotherapie aus dem Ruder läuft, dann muss der Kanton seine Verantwortung wahrnehmen und einschreiten. Es ist genauso wie bei Medikamentenmissbrauch. Psychotherapien haben auch ihre Risiken und Nebenwirkungen. Thomas Knecht ist forensischer Psychiater und wird oft bei Gerichtsprozessen als Gutachter konsultiert.
Er ist Leitender Arzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Herisau. Frau Sandl, wie wär es, Sie sprächen mit jenen Psychiatern und Therapeuten über rituellen Missbrauch, die Opfer von rituellem Missbrauch betreuen?
Rituelle Gewalt – Wikipedia
Und am besten gleich auch mit den Opfern. Als Journalistin wäre es eigentlich Ihre Aufgabe den Dingen auf den Grund zu gehen. Der Artikel hier ist eine ziemlich billig Flucht vor einer Realität, die es in Ihrem Weltbild scheinbar nicht geben darf. Ida Sandl 1 Kommentar Exklusiv für Abonnenten. Thomas Knecht ist forensischer Psychiater und Leitender Arzt der Klinik für Psychotherapie und Psychiatrie in Herisau.
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